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Robert Parker

Felsen in der Weinbrandung: Robert Parker und The Wine Advocate

Wenn es um Weine geht, ist Robert Parker kein Mensch – Robert Parker ist eine Institution, ein Guru, ein Meinungsmacher. Kurz um: Er ist d e r Kritiker-Papst der Weinwelt. Seine Meinung bezüglich der Weinqualität steht wie ein Fels in der Brandung. Lob und Missfallen äußert Robert Parker sowohl in ausführlichen Weinbesprechungen als auch via einem Punktesystem, das er in den späten 1970er Jahren weiterentwickelte. Weine, die gerne dann einen Kultstatus erreichen, tragen seine Signatur „PP 100“, aber auch jene, die die Marke von 95 geknackt haben, treten ein in den Olymp der Weinkritiker – und in den gen Himmel schießenden Preise. Jene Winzer, die einen 98, 99 oder den begehrten 100-Punte-Wein ihr eigen nennen dürfen, sie haben gewiss ausgesorgt. So viel Macht schafft auch Missgunst. Von seinem hohen Podest konnte Parker bisher keiner schupsen, auch wenn im letzten Jahrzehnt zunehmend mehr und deutlichere Kritik an der Robert-Parker-Weinkritik laut wurden. Längst gehört Parkers legendäres Sprachorgan, The Wine Advocate, nicht mehr dem Erfinder der Weinkritik. Die teilweise stark veränderte Struktur des Fachmagazins, die für einige Weinkenner zu inflationäre Verwendung der 100-Parker-Punkte, sowie die Kommerzialisierung des einst kommerzfreien Fachmagazins haben in seiner Reputation Narben hinterlassen. Dem Wein-Papst kann man das nur bedingt ankreiden, denn die Veränderungen nahmen erst nach dem Verkauf des Magazins und nach dem Rückzug des Meisters aus dem aktiven Kritikerdasein ihren Lauf. 2019 hat sich Robert Parker selbst in den Ruhestand geschickt und sein Weinjournal und somit sein wichtigstes Instrumentarium – die PP-Weinbewertung – anderen überlassen. Dass The Wine Advocate, nun „Robert Parker Wine Advocate“, durch die vielen Hände, durch die es mittlerweile gegangen ist, nicht mehr d a s urteilende Fachmagazin ist, schmälert keinesfalls die Größe seines Erfinders. Bei seiner umfangreichen Kritikerarbeit an Hunderten und Aberhunderten von Weinen jedes Jahr, wäre naiv zu glauben, hinter jeder Bewertung führte der Meister persönlich die Feder. Hinter dem Namen „Robert Parker“ steht schon lange ein wohlausgesuchtes Team von erstklassigen Verkostern – einige von ihnen haben sich selbständig gemacht und sind mittlerweile selbst große Koryphäen (bspw. Antonio Galloni) –, die ganz im Sinne oder besser gesagt, nach der Philosophie von Robert Parker Weintestungen durchführen. Wir stellen uns die Frage: Was macht Robert Parker so berühmt, beliebt, gefürchtet und – zumindest bei einigen - verhasst?

Robert Parkers Weg zum Papst der Weinkritik

Der Weinkritiker Parker, mit vollem Namen Robert MacDowell Parker Jr., ist wie alle anderen herausragenden Köpfe der Welt nicht vom Himmel gefallen, sondern hat seine Leidenschaft für Weine mit einer peniblen Arbeit am allumfassenden Wein-Know-How kombiniert. Robert Parker wurde am 23. Juli 1947 in Baltimore, Maryland/USA, geboren, einer Stadt und Gegend, der er bis heute treu geblieben ist. An der Law University of Maryland absolvierte er 1973 sein Jurastudium und blieb einige Jahre in der „Farm Credit Banks of Baltimore“ tätig, bevor er sein Berufsleben neu ausrichtete und schließlich 1984 den studierten Beruf an den Nagel hängte.

Es heißt, seine Weinleidenschaft wurde während seiner ersten Frankreichreise 1967 geweckt. Anlass für diesen Ausflug über den Großen Teich war die Einladung seiner High-School-Freundin, die in Straßburg Jura studierte. Patricia, „Pat“, Etzel machte schon in der High-School viel Eindruck auf Robert Parker, in Frankreich muss diese Impression um einiges verstärkt worden sein, denn schon bald wurde aus Mss. Etzel jene Mrs. Parker, die sie bis heute noch ist. Diese denkwürdige erste Frankreichreise unternahm Parker in seinen Zwanzigern, als er im Grunde noch ein „Collage-Junge“ war, der auf Partys sich mit Likör und anderen süßlichen Alkoholika betrank, mal einen Whisky probierte und ansonsten Bier trank. Wie alle anderen seiner jungen männlichen Freunde auch. Parker gibt unumwunden zu, in seinen Kreisen in den 1960er Jahren war Wein kein Thema. Wen wundert es dann, dass sogar auf seiner Hochzeit kein „echter Wein“ serviert wurde.

Zum Zeitpunkt seiner ersten Reise nach Frankreich war die Welt der Weine noch relativ enggesteckt. Winzer begannen zaghaft, über ihre jeweiligen Produktionsgrenzen hinauszutreten. Man setzte in vielen sogenannten Weinländern wie Italien, Deutschland oder Südafrika auf Massenproduktion, zumal die Anfrage nach Weinen explosionsartig zu steigen begann. In Italien begann man von Quantität auf Qualität und vermehrte Auslandsexporte erst in den 1970er Jahren umzudenken. Frankreich hingegen war bezüglich Qualität schon in den 1960er Jahren recht weit vorne. Begonnen hat der Umschwung in Frankreich in dem weltweit größten zusammenhängenden Weinanbaugebiet für Qualitätsweine – im Bordeaux (fr. Bordelais). Die in den 1920er Jahren von Baron Philippe de Rothschild für seine Weingüter aufgestellten strengen Qualitätsregeln (mit Abfüllung im eigenen Weinkeller) setzten sich allmählich bei allen auf Qualität bauenden Winzern der Region durch. Gleichzeitig entstand die Wissenschaft um den Wein, die Önologie, und wurde eine Studienfachrichtung, die geneigte Studenten zum ersten Mal an der Universität von Bordeaux studieren konnten. In diesem besonderen Umdenkprozess entwickelten sich auch die Weine selbst. Die sehr tanningetränkten Bordeaux-Weine wurden vielschichtiger, fruchtiger und „heller“. An dieser Entwicklung nahm Robert Parker zunächst unbewusst, später aber maßgeblich teil. Als er Weihnachten und Silvester 1967 mit seiner Jugendliebe in Paris verbrachte, war er noch ahnungslos. Parker berichtet, wie er an einem dieser denkwürdigen Pariser Abende erstmals einen, wie er sagt, echten Wein ohne Süße, einen kräftigen, trockenen und vollmundigen Roten getrunken hat. „Aus dem Nichts heraus“, erinnert er sich, ist er dem Weingeschmack verfallen. Parkers Leidenschaft für Bordeaux-Weine galt (und gilt) erweiterte sich schon bald auf alle französischen Weinregionen und ihre großen Weine, über deren Qualitäten und Besonderheiten er sich in den 1970ern geradezu juristisch akribisch“ ein enormes Wissen aufzubauen begann. In einer relativ kurzen Zeit wurde aus dem likörtrinkenden Junganwalt ein versierter und zunehmend bekannter Weinexperte für französische Weine und das nicht nur in Maryland. Es bedurfte jedoch weiterer 10 Jahre bis Robert Parker seiner wahren Leidenschaft beruflich nachgehen konnte. Seine bereits schon zu Studienzeit aufblitzende Idee, ein eigenes Weinfachjournal zu veröffentlichen, wurde von Freunden und Familie negativ aufgenommen. Man riet dem jungen Anwalt, auf dem sicheren Terrain seiner vielversprechenden Juristenlaufbahn zu bleiben und die Weinsparte als Hobby zu betreiben. Erst 1978 machte Parker den ersten Schritt in die aus seiner Sicht richtige Richtung, indem er das ihm zur Verfügung stehende Geld in einen neuartigen Weinführer und Weinjournal mit dem zunächst langatmigen Titel „The Baltimore-Washington Wine Advocate“ investierte. Was er zu diesem Zeitpunkt nicht ahnte, war die Tragweite dieses Schritts und das nicht nur in Bezug auf sein eigenes Leben, sondern auch auf die Weinlandschaft zuerst im Bordelais, später in allen Weinländern der Welt. Mit seinem Weinjournal begründete er einen neuartigen Stil von Weinrezension, die nicht die damals üblichen positiven Weinbeschreibungen, sondern vielmehr objektivitätssuchende Weinkritik waren. Geradezu bahnbrechend war seine Einführung eines 100-Punkte-Bewertungssystems, das nach ihm benannte Parker-Punktesystem (PP), welches in der zweimonatlich erschienen Zeitschrift zum Tragen kam. Es war und ist weiterhin darauf ausgelegt, Weinkonsumenten und Weinhändlern ein einleuchtendes, klar strukturiertes Instrumentarium einer schnellen Orientierung zwischen unterschiedlichen Jahrgängen und Weinsorten an die Hand zu geben.

Der kometenhafte Aufstieg 1983

Obwohl Parker sein Weinjournal bereits 1978 gründete, war es ihm erst 1984 möglich, die Juristerei als Erwerbsquelle aufzugeben. Ermöglicht hat es ihm sein geniales Gespür für die Bedeutung des 1982er Bordeaux-Jahrgangs. Die Fassverkostung, die die Weinexperten 1983 vornahmen, führte zunächst zu einer einstimmigen Abwertung des Weins. Zu früh gereift, zu wenig Säure, zu „fett“ sei der 1982 Bordeaux. Schluss um: Nicht alterungsfähig, hieß es fast unisono aus den Reihen der Weinkritiker. Es war die einsame Stimme von Robert Parker, die gegen den Chor der Kollegen, den 82er-Jahrgang als herausragend beschrieb und ihm eine glänzende Zukunft prophezeite. Die Zeit gab ihm Recht. Robert Parkers Jr. bewies mit dieser gewagten Weinreview konträr der Meinung alteingesessener Koryphäen sein phänomenales Gespür für verborgene Qualitäten eines Weins, was ihn gewissermaßen aus dem Stand in den Olymp der Weinkritiker hob. Der Abonnentenkreis seines Fachjournals vervielfachte sich und ein Jahr später konnte Parker den Juristenberuf aufgeben.

The Wine Advocate – ein Journal verändert die Weinwelt

1978 setzt Parker endlich sein langgehegtes Vorhaben in die Tat und gibt im Printmedium noch das recht schmale Journal The Baltimore-Washington Wine Advocate heraus, das wenig später in die prägnantere Variante The Wine Advocate umbenannt wird und seitdem häufig nur als Kürzel TWA oder WA zitiert wird. Die Doppeldeutigkeit im Titel macht aufmerksam auf das, was den Juristen Parker im Grunde seines Vorhabens motivierte, denn ein jeder guter Jurist muss dem Gesetz und seinem Gewissen folgen und sich von keinen anderen Faktoren leiten oder verleiten lassen. Parkers Vorbild über das Juristische hinaus war der investigative Verbraucherschutzjurist und Politkritiker, Ralph Nader, der korrumpierende Verbindungen zwischen Politik und Wirtschaft in den 1960er/70er Jahren aufzudecken und der Öffentlichkeit vorzuführen begann. Robert Parker übertrug gewissermaßen die juristische Investigative seines Kollegen auf sein neues Betätigungsfeld der Weinbranche. Viel zu entlarven gab es für Robert Parker im Gegensatz zu seinem Kollegen Nader jedoch nicht, denn die Verbindungen zwischen Weinjournalen, Weinkritikern und der produzierenden Weinbranche lag klar auf der Hand und stellte damals eine akzeptierte Normalität dar. In dieser Zeit standen Fachjournale und Weinguides in Abhängigkeit von den Zuwendungen aus Werbeinseraten und Finanzierungsspritzen der Weinproduzenten und Großhändler, denen sie sich entsprechend verpflichtet fühlten. Der Tenor der damaligen Weinjournale und Periodika fiel dementsprechend positiv-beschreibend aus. Doch Parker wollte weder im Dienst der Weinhersteller oder Händler stehen, noch wollte er Weine beschreiben. Sein Wine Advocate sollte unabhängig urteilen, echte Kritik üben und ein nur dem Wissen und Gewissen des Kritikers geschuldeter Weinguide für Weinkonsumenten sein.

In den ersten Jahren berichtete Parker im TWA ausschließlich über französische Weine, und zwar nach einem zuvor festgelegten, mögliche Objektivität und Nachvollziehbarkeit versprechenden System und Punktebewertung. Italien wurde schließlich das zweite Weinland, dem sich das TWA öffnete, gefolgt von Parkers Heimat, deren Weinerzeugnisse immer häufiger besprochen wurden.

Entsprechend der sehr unterschiedlichen Weinregionen und ihrer Weinsorten, die das TWA zu besprechen anfing, war es schon bald notwendig, weitere Verkoster mit an Bord zu nehmen. Parker begann dementsprechend ein handverlesenes Team zusammenzustellen, das sowohl nach ihren Verkostungsfähigkeiten als auch nach ihren jeweiligen Weinspezialisierungen ausgewählt wurde. Viele der von Parker ausgesuchten Verkoster und Weinkritiker gehören heutzutage zu der Crème de la Crème der Fachwelt, wie beispielsweise Jeb Dunnuck oder Antonio Galloni, die Robert Parker mittlerweile gute Konkurrenz machen. Heutzutage ist TWA längst ein internationales Weinorgan geworden. Ob Portugal, Deutschland, Indien oder China – Parkers Weinkritikerteam verfasst Verkostungsberichte und Weinkritiken über alle Weinregionen der Welt, die innovative, interessante und hochqualitative Weine produzieren. Es wäre falsch zu behaupten, Robert Parkers The Wine Advocate wäre ohne Vorreiter gewesen. Eine nicht zu leugnende Vorbildfunktion spielte Robert Finigans Monatsfachblatt „Robert Finigan’s Private Guide to Wine“, das seit 1972 herausgegeben wurde und sich an den Verbrauchern (und nicht an den Herstellern) orientierte. Auch Finigan – wie später Robert Parker – stellte ein einfach zu verstehendes Bewertungssystem auf, das den Weinkonsumenten eine Übersicht über die Weinlandschaft gab und Hilfestellung bei der Kaufentscheidung leistete. Finigans Weinkritiken waren klar und einfach formuliert, die Bewertungsskala mit vier Qualitätsstufen „Außergewöhnlich“, „Überdurchschnittlich“, „Durchschnittlich“ und „Unterdurchschnittlich“ gleicherweise selbsterklärend und eingängig konzipiert. Diesen Standardbewertungskriterien wird man in Parkers TWS ab 1978 wiederbegegnen. Robert Parker lernt auch von dem Weinkritiker Robert Lawrence Balzer, der zwar Parkers verhasste Attitüde des „Positiv-Kritikers“ an den Tag legte, gleichwohl aber ein sehr charismatisch schreibender, echter Weinconnaisseur war und entsprechend engagiert die Weine an die Leserschaft vermittelte. Der Weg in die größtmögliche Unabhängigkeit im publizistischen Sektor geht über Viele und das sind die Leser selbst. Robert Parker beschloss daher, sein Weinjournal ausschließlich durch eine klarerweise möglichst große Abonnentenschaft zu finanzieren. Neben der strikt verordneten Unabhängigkeit kreierte Parker für sein TWA nicht nur ein transparentes Punkte-Bewertungssystem, sondern auch einen eigenen Schreibt- und Kritikstil, der ihn von seinen publizierenden Weinkollegen weit absetzte.

Maßstab und Stil: Robert Parkers Säulen des Einflusses

Für die Leser und Weinkonsumenten war – vielleicht sogar mehr als das Unabhängigkeitsprinzip – ein klares Bewertungs- und Informationskonzept von großer Bedeutung. The Wine Advocate präsentierte die Weinbesprechungen engagiert, gleichwohl aber in einer klaren, gemessen an der damals überbordenden ‚Weinsprache‘ in einer nüchternen Stilistik. Im TWA wurden die Weinkritiken geradeheraus formuliert und vertraten deutlich die Meinung des jeweiligen Weinverkosters. Langatmiges Hintergrundwissen vermied und vermeidet Robert Parker bis heute in seinen Weinartikeln. Seine Kritikerstimme bleibt en Gros fokussiert und präsentiert sich den Lesern immer als eine klare Expertenmeinung. Fundiert vorgestellte Entwicklungstendenzen zeugen von seinem herausragenden Gespür für Weine, erzeugen auf der anderen Seite aber auch allgemeine Trends in der Weinentwicklung. Bis heute ist der „Robert-Parker-Stil“ unverkennbar: Verglichen mit moderner Weinstilistik, die häufig vollgepackt mit plastischen Begriffen und theatralischer Begriffsneubildungen ist, hebt sich der Stil von Robert Parker weiterhin unaufgeregt und scharf hervor.

Rückblickend betrachtet gehört das nach seinem Erfinder benannte „Parker-Punktesystem“, abgekürzt „PP“, zu den wichtigsten Instrumentarien der Weinkritik, das bis heute international kaum an Evidenz verloren hat. Parker schuf mit seiner in 100 bis 50 Punkte aufgegliederten Skala eine nachvollziehbare und konstante Bewertungsmethode, die einem objektivierbaren Instrumentarium am nächsten kommt. Die Idee hierfür lieferte sein Kollege, der Weinkritiker Robert Finigan. Robert Parkers modifiziertes Bewertungssystem beginnt mit 50 Punkten und sieht 100 Punkte als Höchstbenotung vor. Weine unter 50 Punkten kommen im TWA gar nicht erst zu einer Besprechung, und Weine, die die 50-Punkte-Marke erreichen, sind nach Parkers Wertebestimmung bereits fehlerhaft und unakzeptabel. Mit der 100-zu-50-Skala ist Parker ein strategisch guter Schachzug gelungen, denn eine Auszeichnung mit 100 Punkten macht, psychologisch betrachtet, mehr her, und die Auffächerung bringt größere Bandbreite mit sich, als beispielsweise die Bewertungen von 1 bis 5.

96 bis 100 Parker-Punkte bedeuten: Herausragender Wein. Bei diesen Weinen handelt es sich um geschliffene Diamanten des jeweiligen Jahrgangs. Körper, Frische und Komplexität müssen eine perfekte Balance eingehen, um mit den begehrten 100- bis 96-Parker-Punkten ausgezeichnet zu werden. Die Höchstnote wird nicht zwangsläufig vergeben und ist dementsprechend rar. Bis 96 PP werden herausragende Weine ausgezeichnet, die die Crème de la Crème ihrer Sorte darstellen.

90 bis 95 Parker-Punkte: Großartiger Wein. Auch in diese Benotungskategorie fallende Weinen sind große Charaktere mit ausgewogener Komplexität bei gleichzeitiger hervorragender Körperbalance. Verglichen mit der nächsthöheren Stufe fehlt ihnen zumeist der letzte Schliff, der sich beispielsweise im Abgang bemerkbar machen kann.

80 bis 89 Parker-Punkte: Überdurchschnittlicher Wein. Bei diesen Weinen handelt es sich um sehr gute Qualitätsweise, die sich durch ihre offensichtliche Finesse auszeichnen.

70 bis 79 Parker-Punkte: Durchschnittlicher Wein. Damit sind Weine ohne besondere Macken aber auch ohne sonstige Besonderheiten bezeichnet. 60 bis 69 Parker-Punkte: Unterdurchschnittlicher Wein. Bei diesen Weinen handelt es sich um Sorten, die mit einigen deutlich wahrnehmbaren Fehlern behaftet sind. 50 bis 59 Parker-Punkte: Fehlerhafter Wein.  Diese Weine sind laut Robert Parker nicht trinkbar beziehungsweise nicht akzeptabel.

Die Weinanalyse erfolgt nach festgelegten Schritten, die heutzutage längst zu Norm gehören: Als erstes werden die Farbe und der Geruch des Weins im Glas analysiert („Auge“ und „Nase“). Diesen beiden ersten Bewertungsschritten folgt der Test am Gaumen beziehungsweise im Mundraum. Hier zählen die Ansprache der Geschmacksknospen, das im Mundraum empfundene Volumen und die Weintextur. Als letztes wird der sogenannte Abgang oder Finish bewertet, womit der Nachhall des Weins beim und nach dem Schlucken gemeint ist. Stephen Browett, der Vorsitzende von „Farr Vintners“, Großbritanniens erfolgreichsten Edelweinhändlermagazins, bringt es auf den Punkt: „[Parker] war der erste Kritiker, der den Kunden das gab, was sie wirklich wollten. […]  Seine Partituren waren sehr präzise und logisch und wurden zum Evangelium.“ Parker gab ihnen klare Richtlinien an die Hand für das, was wert war gekauft zu werden und warum. Dafür liebt und achtet ihn das Weinpublikum bis heute.

Das i-Tüpfelchen auf dem Ruhmesweg: Das Wein-Bestseller-Buch

1985 tritt Robert Parker zum ersten Mal mit dem Fachbuch „Bordeaux“ als Buchautor in Erscheinung und untermauert mit dieser Publikation endgültig seinen Ruf als Wein-Papst unter den Weinkritikern, zumal wenn es um „die Krone der Weine“ geht, die französischen Weinerzeugnisse, allen voran natürlich die Bordeaux-Weine. Der schlichte Titel des Weinführers konterkariert der Untertitel der ersten Ausgaben: „Der endgültige Leitfaden zu den seit 1961 produzierten Jahrgängen“, der verdeutlich, wie der Autor seine Rolle als Weinkritiker bewertete. In relativ kurzen Abständen folgten weitere Weinbücher, die international hochgeschätzt allesamt Weinklassiker wurden.

Von den bisher erschienen 11 Publikationen widmen sich die meisten der französischen Weinlandschaft. Zu den preisgekrönten gehören „The Wines of the Rhône Valley and Provence“ (1987) und „Burgundy“ (1990). Parker öffnete sich erst in den 2000er Jahren der übrigen Weinwelt und veröffentlich länderübergreifend angelegte Bücher wie „The World’s Greatest Wine Estates“ (2005). Parker ist auch als (Co-) Herausgeber etlicher Periodika oder Wein- & Essen-Magazine. Er schrieb regelmäßig für das englische Magazin The Field und wurde Weinkritiker für das älteste und renommierteste französische Nachrichtenmagazin L’Express, ein Privileg, das bis dahin keinem Ausländer gegönnt wurde. 

Ehrungen und Auszeichnungen

Robert Parkers herausragende Arbeit als Weinkritiker wurde in Laufe seiner langen publizistischen Tätigkeit mehrfach honoriert. Zu den wichtigsten Auszeichnungen gehören zweifelsohne die französischen Staatsehrungen: 1993 machte François Mitterrand Robert Parker zum Träger des Französischen Verdienstordens und 1999 bestimmte Jacques Chirac ihn zum Ritter der Ehrenlegion. Somit gehört Robert Parker zu jenen raren Nicht-Franzosen, die sich rühmen können, die beiden höchsten Ehrungen Frankreichs erhalten zu haben. Die James-Beard-Stiftung, die eine der wichtigsten Auszeichnungen in der Doppelbranche von „Wein & Gastronomie“ vergibt, ehrte Robert Parker 1998 für seine Weinbücher, und Moët Hennessy vergab 1993 seinen „Wine and Vine Communcation Award“ an Parker für seine Publikationen über Bordeaux- und Burgund-Weine. Wenig erstaunt ist man hingegen über die Ehrenbürgerschaft, die die Weinstadt und Gemeinde Châteauneuf-du-Pape (Rhônetal) 1995 an Parker vergab.

Der Einfluss Robert Parkers auf die Weinentwicklung

Es gilt als nachgewiesen, dass der Parker-Punkteindex einen direkten Einfluss auf die Weinpreise hat und zwar in dem gleichen Verhältnis wie die vergebenen Punkte. Im Bordelais wird der sprunghafte Preisanstieg, der in 1980er und 1990er Jahren für PP-prämierte Bordeaux-Weine zu beobachten war, als direkte Auswirkung auf die positiven Kritiken und entsprechende Punktewertung von Parker angesehen. Es verwundert daher nicht, dass zunehmend mehr Winzer entsprechende Maßnahmen ergriffen und weiterhin ergreifen, um PP-Topbewertung zu ergattern. Diese Entwicklung wird noch einmal durch die Kaufpolitik der Großhändler und der Weinanleger verstärkt, die mit hochbewerteten Weinen hohe Geldgewinne erzielen. Auch den Hype um die sogenannten Garagenweine – benannt eher scherzhaft nach ihren geringen Produktionsmengen von einem ‚Garage-Volumen‘ –, die in den extrem kleinen „Micro-Châteaux“ entstehen, sieht die Fachwelt als Folge der Unterstützung durch die positiven Kritiken im TWA. Diese Weine – so die kritischen Stimmen – entsprechen voll und ganz dem Parker-Gaumen, indem sie einen auffällig exzessiven Einsatz der Barrique-Fässer betreiben. Als besonders „parkerisiert“ gilt der chinesische Markt, der Parkers Punktebewertung als die höchste Qualitätsauszeichnung und das Maß aller Dinge erachtet und entsprechend einkauft. 

Die „Parkerisierung“ der Weinwelt: Die Kritik an Parkers Kritik

Die Probleme, die einige Weinkenner zunehmend mit Robert Parkers Kritikertätigkeit haben, betreffen jene Auswüchse der Macht, die die PP-100-Punkte und seine speziellen Kritiken auf den gesamten Weinsektor ausüben. Ins Feld geführt wird die deutlich wahrnehmbare Angleichung bestimmter Weinproduktionen an den sogenannten „Parkerschen Geschmack“, das heißt, an jene Weinsorten und Geschmacksrichtungen, die Robert Parker und sein Kritikerteam durch entsprechend hohe Bewertungen zum Ausdruck bringen. Insbesondere die Grand-Crus-Winzer im Bordelais, aber beim weiten nicht mehr nur sie, richten ihre Weinbereitung darauf aus, den bevorzugten Geschmack Robert Parkers zu treffen, so dass ihre Weinerzeugnisse eine Chance auf die obersten Bewertungsränge bekommen. Eine solche Optimierung der Weinverfahren zu Gunsten eines speziellen Stils vereinheitliche ganze regionale Produktionen und nivelliere wichtige historische Geschmacksentwicklungen, halten die Kritiker der „Parkerisierung“ entgegen. Insbesondere europäische Weinkritiker machen Parker und seinen Weinguides zum Vorwurf, dass hinter den vermeintlich objektiven Beurteilungskriterien vielmehr ein „US-amerikanischer Weingeschmack“ als Maßstab für Qualitäten aufgestellt und weltweit praktiziert wird. Weine, die Parker präferiere, seien körperreiche, fruchtbetonte, barriquegereifte, sogenannte „fette“ Weine, die wenig Spielraum für feingliedrige Elegance lassen, so die Parker-Kritiker. Viele Weinanbaugebiete in Europa verlören damit ihre regionalen, über Jahrhunderte gewachsenen Weinstile, weil die Winzer durch bessere Bepunktung im Parker-Weinkatalog zu besseren Verkaufszahlen gelangen möchten. Mit dieser Einflussnahme verändere Robert Parker die europäische Weinbaukultur und gestalte sie zu einer amerikanisierten Parker-Weinlandschaft um. Spätestens seit dem Eklat mit Robert Parkers Mitarbeiterin, der französischen Juristin Hanna Agostini, wird die neutrale Positionierung des Fachjournals gegenüber den Weinproduzenten angezweifelt. Agostini, die seit 1995 für Parker Degustationen in Bordelais organisierte und Übersetzungen seines Newsletters ins Französische leitete, wurde 2003 von Parker entlassen als es bekannt wurde, dass sie ihre Beraterdienste französischen Weinproduzenten und Weinhändler anbot und sie mit ihrem guten Kontakt zu Robert Parker bewarb. 2007 verfasste Agostini zusammen mit Marie F. Guichard das Buch „Robert Parker: Portrait d’un mythe – Anatomie d’un Mythe“ (auf deu. „Porträt eines Mythos – Anatomie eines Mythos“), in dem sie Parker und seinen, teilweise namentlich genannten Mitarbeitern und Kollegen direkter Einflussnahme bezichtigte. Der unabhängige Werturteil, den Parker seit den 1980er Jahren aufrechterhält, sei ein Mythos ohne aktuelle Grundlage, so Agostini. Ins Feld führt sie unter anderem die Verkostungen, die weder Parker noch sein Verkosterteam vornähmen, sondern Weinhändler im persönlichen Umfeld von Robert Parker. Das sei nicht verwunderlich, berichtet die Juristin, denn die Weinkoryphäe verbrächte mittlerweile durchschnittlich nur fünf Tage im Jahr in Frankreich. Agostinis Buch brach offenbar einen angestauten Damm an Kritik bezüglich der Auswüchse der als objektiv angepriesenen Qualitätsbewertung im Parker-Punktesystem. Kritische Artikel über das „Unternehmen Robert Parker“ und den Wein-Papst erschienen in verschiedenen Medien, unter anderem auch im deutschen Politjournal Stern.  Robert Parker und sein Wine Advocate heute

Was Robert Parker in den späten 1970er Jahren in Maryland im revolutionären aber noch überschaubaren Stil schuf, ist heute eine der einflussreichsten Fachjournale und Bewertungssysteme für Weine weltweit. The Wine Advocate hat über 50.000 Abonnenten und wird in 50 Länder ausgeliefert. Nun hat sich der „Vater der modernen Weinkritik“, wie die US-amerikanische Presse ihn betitelt, entschieden, sowohl sein großgewordenes Baby zu verlassen, als auch sich gänzlich aus der Weinöffentlichkeit zurückzuziehen: Im Jahr 2019 ist Robert Parker offiziell in den Ruhestand gegangen. Dem vollständigen Rückzug aus dem Weinbusiness gehen siebenjährige Vorstufen voraus. Eingeläutet wurde er schon 2012 als Robert Parker seine Mehrheitsanteile am Wine Advocate an drei asiatische Investoren verkaufte, in Hauptsache aber an den aus Malaysien stammenden Soo Hoo Khon Peng, bekannt als Geschäftsführer der Weinfirma „Hermitage“ aus Singapur. Als Anteilseigner wurden in der Presse auch Deutsche Bank und Goldman Sachs Investment Group genannt. Die bekanntgewordene Verkaufssumme belief sich auf 15 Millionen US-Dollar. Zum gleichen Zeitpunkt trat Parker als Chefredakteur zurück und übergab den Führungsstab an Lisa Perrotti-Brown, die bisher seine Mitarbeiterin mit Asienschwerpunt war, eine der wenigen mit „Master of Wine“ ausgezeichneten Koryphäen des Fachs. Der offizielle Name des berühmten Weinjournals hieß zwischenzeitlich „Robert M. Parker The Wine Advocate“ und wurde eine Zeitlang als Printausgabe eingestellt. An seine Stelle trat die Internetseite „RobertParker.com“, wo der TWA als Download-PDF-Ausgabe den Abonnenten zur Verfügung stand. Neue Schwerpunkte im asiatischen und pazifischen Raum, partielle Öffnung für werbebasierte Finanzierung sowie kommerzielle Veranstaltungen, die das „Robert Parker Wine Advocate“ als Verkostungen mit Eventcharakter in verschiedenen Städten zahlungskräftigen Kundschaft anbot, veränderten das Aussehen als auch die Bedeutung des einst renommiertesten, klassischen klassisch gewordenen Weinjournals. Ab 2017 kaufte sich die französische Michelin Group, hervorgegangen aus der Reifenherstellerfirma „Michelin“ und vertreten durch ihr auf Reise und Gourmet spezialisiertes Verlagshaus „Guide Michelin“, sukzessive in das Robert-Parker-Unternehmen ein. Seit 2019 ist sie die alleinige Eigentümerin des Robert Parker Wine Advocate, das zweimonatlich wieder in Printform herausgegeben wird, und des e-Magazins „RobertParker.com“. Das Management ließ laut „Forbes Online“ (Nov. 2019) verlauten:

„[…] Bevor wir uns entschieden haben, die Akquisition abzuschließen, haben wir uns zwei Jahre lang kennengelernt und festgestellt, dass Michelin und Wine Advocate hinsichtlich der Bedeutung ihrer Unabhängigkeit [von den geprüften Restaurants/Hotels beziehungsweise Weingütern] dieselbe Kultur haben.“ Beide Unternehmen vergeben vergleichbare Bewertungen nach einer strengen Methode, heißt es seitens des neuen Managements: bei Michelin sind es die berühmten Michelin-Sterne und beim Wine Advocate die Parker-Punkte.

Robert Parker selbst hat seit dem Verkauf seiner Anteile am TWA im Jahr 2012 sich allmählich aus der Fachszene zurückgezogen. Ein großer Schritt erfolgte noch einmal 2017 als Parker verkündete, alle offiziellen Weintests einzustellen. Seit 2019, im Alter von 71 Jahren, ist Robert Parker im Ruhestand und steht für keine Auftritte oder Weinkritiken zur Verfügung. Angesichts der immer stärker werdenden Konkurrenz an beliebten Wein-Blogseiten, renommierten Verkostern, die ihre eigenen Journale gründen, aber auch angesichts der schwindenden Anzahl von Top-Kritikern im Team des TWA bleibt es abzuwarten, ob Robert Parker Wine Advocate seinen legendären Ruf und Bedeutung in Zukunft wieder erlangen beziehungsweise halten kann.

Im heutigen Team der Weinkritiker sind neben der Chefredakteurin und Leiterin Lisa Perrotti-Brown interessante Experten zu finden wie Monica Larner (für Italien), Stephan Reinhardt (für deutschsprachigen Raum) oder Erin Brooks (für Californien) um nur einige zu nennen (Stand 2021).

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