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Marcel Vézien

Das Champagnerhaus Marcel Vézien

Das in den 1950er Jahren gegründete Champagnerhaus Marcel Vézien wird mittlerweile in vierter Generation geführt und ist stolz auf seine Wurzeln, die ins 19. Jahrhundert reichen und fortan in der „Pflege des Hausgeistes“ ihren aktuellen Ausdruck finden. Das Champagnerhaus befindet sich an der Hauptstraße des kleinen Ortes Celles-sur-Ource, durch den die „Route Touristique du Champagne“ (ca. 100 Kilometer von Paris entfernt) führt. Der Weiler gehört zu den schmucken uralten Winzerorten, deren gepflegte Steinhäuser mit ihren weißen, grob behauenen Feldsteinen einen pittoresken Eindruck vermitteln.

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Das Champagnerhaus Marcel Vézien nennt sich, wie übrigens fast alle regionalen Weinkellereien, nach dem Gründer und in diesem Fall dem Urgroßvater des heutigen Besitzers. Denn hier ist man stolz auf die familiären Traditionen, auf den speziellen Stil der jeweiligen Champagnerhäuser. Um eine Vorstellung von der champagnerproduzierenden Miniregion zu gewinnen, hier ein paar Zahlen: Celles-sur-Ource bildet eine Gemeinde von gut 500 Einwohnern, in der über 40 gemeldete Champagnerproduzenten leben! Die Geschichte der Weinproduktion des Ortes reicht weit zurück ins 16. Jahrhundert, allerdings sind in dieser Zeit nur die stillen Weine vermerkt, die den vorbeikommenden, sogenannten Weinagenten angeboten wurden. Gesichert ist die regionale Champagnerherstellung erst seit dem späten 19. Beziehungsweise frühen 20. Jahrhundert. Die Geschichte des Ortes hebt hervor, dass die Produktion des Champagners durch die finanzielle Katastrophe der hiesigen Winzer im Jahr 1929 gewisser Weise aus der Not aber auch aus Verärgerung heraus angekurbelt wurde. 

Vor diesem historischen Hintergrund steht auch das Champagnerhaus Marcel Vézien, das heute in vierter Generation von der Familie Vézien auf hohem Niveau betrieben wird. Es heißt, starke Konkurrenz belebt das Geschäft – in diesem Fall macht sich das erfreulicherweise nicht in Dumpingpreisen als vielmehr in steigender Qualität. Mitten in diesem Milieu steht das Traditionshaus Marcel Vézien ganz vorne und setzt seit jeher auf charakteristische Champagner, daneben auch stille Weine und etwas Hochprozentiges. 

Im Geiste der Tradition: Champagner der kleinen Orte

Das Champagnerhaus Marcel Vézien arbeitet ganz im Geiste doppelter Tradition, nämlich jener der Region und der des Familienhauses. Es liegt inmitten der winzigen Ortschaft Celles-sur-Ource im Departement Aube. Hier sind die Véziens seit einem Jahrhundert ansässig. Der 505-Seelen-Weiler liegt inmitten der Region Grand Est, besser bekannt unter ihrer alten Bezeichnung Champagne-Ardenne (bis 2016). Neben Burgund ist die Champagne-Region die berühmteste Weinanbaugegend der Welt. Wer hier Fuß fassen will, muss mutig sein – kaum eine andere Appellation ist so streng intern ‚bewacht‘ wie diese. Bei Champagner denken die meisten Weintrinker an die Schwergewichte unter den produzierenden Häusern, die ihren Sitz in Reims, Châlons-en-Champagne oder in Épernay haben. Namen wie Moët & Chandon, Taittinger, Veuve Clicquot, Piper-Heidsieck, Ponsardin oder Pommery kommen einem in den Sinn. Aber die Champagne hat viel mehr und laut der Kenner viel Spannenderes zu bieten als die Big Names. Das Stillere, teils Versteckte findet sich abseits, in Kellereien kleiner, alter Weinortschaften wie Celles-sur-Ource eine ist, wo familiäre Traditionen spezielle Champagner kreieren. So auch im Hause Marcel Vézien. Häufig genug erfährt man über diese Weingüter erst vor Ort etwas Substantielles – dafür aber aus erster Hand. 

Die circa 20 Hektar großen Weinberge des Traditionshauses Vézien liegen im Ource-Tal, das in dem Einflussbereich von vier Flüssen – Laignes, Seine, Ource und Arce – liegt und sich durch ein Terroir auszeichnet, das sowohl mikroklimatisch als auch in der Bodenbeschaffenheit speziell ist. Die Weinberge sind mit Chardonnay Blanc, Meunier Noir und Pinot Noir bestockt. Die Champagne beherrschen zwei große Klimafaktoren: der Einfluss des Meeres und das semikontinentale Klima. Die Bodenbeschaffenheit setzt sich vorwiegend aus Kalkstein und Mergel aus dem Kimmeridgium-Erdzeitalter sowie Ton, was den hier angebauten Reben optimale Wachstumsbedingungen bietet. Marcel Vézien betreibt einen nachhaltigen Weinanbau und setzt auf klassische Champagner-Vinifizierungsmethoden. 

Im Weinkeller kommen sowohl Edelstahltanks als auch Eichenfässer zum Einsatz, wobei die malolaktische Gärung nur bei Weißweinen angesetzt wird. Grundsätzlich unterliegen sie nur einer vorsichtigen Filtration, die nicht darauf bedacht ist, einen zu durchgeklarten Wein zu erzeugen. Eine mechanische, computergesteuerte Remuage in Gyropalettes (Flaschen-Rüttelgestell) verlagert den Hefesatz in den Flaschenhals, doch das Champagnerhaus setzt bei einigen Champagnersorten auch auf klassische Remuage auf traditionellen Rüttelpulten. Das Dégorgement findet im Eisbad statt. 

Junge Geschichte auf uralten Wurzeln 

Die Wurzeln des Champagnerhauses Vézien reichen zurück ans Ende des 19. Jahrhunderts als der Urgroßvater des heutigen Winzers, Armand Vézien, seinen ersten Weinberg mit Pinot Noir anlegte. Der Enkel Marcel Vézien gründete 1956 das heutige Champagnerhaus, dem er nicht nur seinen Namen, sondern auch seine Champagner-Philosophie gab und den Grundstein für die Qualität der bis heute erzeugten Perlweine legte. Heute steuert die Geschicke des Traditionshauses die vierte Generation vertreten durch Jean-Pierre Vézien und seine Ehefrau Marie-José. Jean-Pierre Vézien ist nicht nur Winzer, sondern auch Grand-Maìtre de la Commanderie du Saulte Bouchon Champenois, und beweist damit seine Liebe zu Tradition und den Respekt vor überlieferten Herstellungsmethoden, die im eigenen Champagnerhaus als „Hausgeschmack“ zelebriert werden. Die Commanderie wurde 1975 in Troyes gegründet und ist eine Gemeinschaft, die sich auf den Heiligen Bernhard von Clairvaux beruft, die wichtigste Persönlichkeit des Zisterzienserordens, der die Kultivierung der Reben im 12. Jahrhundert perfektionierte. Die „Ritter“ der Commanderie pflegen die Kultur der Champagne in jeden ihrer Fassetten. 

Jean-Pierre Vézien kann man als einen feinsinnigen Menschen bezeichnen, der sowohl ein feines Gespür für neue Champagner, Weinberge als auch für Ästhetik hat, die sich in der Liebe zu Literatur, Malerei und Blumenkreationen ausdrückt. Jean-Pierres Champagner-Sorten sind blumig mit einem gewissen Etwas, das manchmal nussig, manchmal mit deutlichen Röstaromen oder Honigsüße „versetzt“ ist. Marie-José Vézien kümmert sich hervorragend um die Besucher des Weinkellers und kann alle Prozesse der Champagnerherstellung nicht nur anschaulich, sondern vor allem auch auf Deutsch erklären.

Marcel Vézien und sein Champagner-Portfolio 

Das Portfolio des Champagnerhauses besteht aus einer Auswahl von sechs Champagnern, einem stillen Wein, einem Ratafia Champenois und einem Marc de Champagne. Der Champagner „Effervescence 56“, eine Cuvée aus mindestens 95% Pinot Noir und eigentlich schon fast reinsortig, bezieht sich sowohl auf das Gründungsdatum des Hauses, als auch auf die ursprüngliche Traube, auf die der Urgroßvater des heutigen Winzers setzte. Jean-Pierre Vézien bezeichnet ihn als „typisch“ für den Stil des Hauses und hebt diesen in zwei Worten hervor: „fruchtig und strukturiert“. Dies ist sicherlich ein hervorragender Einstiegschampagner. „Effervescence 56“ Brut (auch als semi-brut zu haben) ist ein feinperliger, nach grünem Apfel und saftiger Birne duftender Schaumwein, der am Gaumen mit Noten von Lebkuchen und Backfrüchten überrascht. Er altert 38 bis 42 Monate. Der Champagner „Secret d'Éclairés“ Brut ist etwas für Kenner: ein ungewöhnlicher Blanc de Blancs aus 95 % Chardonnay und 5 % Weißburgunder, der 34 bis 48 Monate altert. Und schließlich sind der „Celles Que J'Aime“, ein reinsortiger Pinot Noir als Rosé ausgebaut, und die Cuvée „Lumiere de l‘Aube“ Brut aus 85 % Pinot Noir und 15 % Cépages Blancs mit einem 42/48-monatigen Alterungsprozess, zu nennen. „Nuit de Rubis“, eine als Rosé ausgebaute Assemblage aus 90 % Blancs de Noirs angereichert mit 10 % Rotweinen aus dem AOC-Champagne-Anbaugebiet, und „Terre d’Artistes“ aus 75% Pinot Noir und 25 % Chardonnay komplettieren die Champagner-Auswahl der Véziens. Mit dem Letztgenannten möchte der Maìtre einen „künstlerischen Champagner“ vorstellen, mit dem 1978 die Heißluftballonfahrt des Double Eagle II. gefeiert wurde. Ein eleganter Champagner für feine Feste.

Der stille Wein des Champagnerhauses ist der „Rosé des Ricey“, ein reinsortiger Wein aus Pinot Noir, der nur in dem AOC-Weinanbaugebiet der Gemeinde Les Riceys streng kontrolliert hergestellt werden darf. Die Legende besagt, dass er zu den Lieblingsweinen des Sonnenkönigs Ludwig XIV. zählte. Nur 20 Winzer stellen diesen Wein in einer Auflage zwischen 20 000 und 60 000 Flaschen pro Jahr her.

 

Marcel Vézien

Gründungsjahr: 1956 
Eigentümerin: Familie Vézien
Önologe: Jean-Pierre Vézien
Jahresproduktion: ca. 200 000 Flaschen 
Rebfläche: ca. 20  Hektar in nachhaltigem Anbau

Notabene: Das Champagnerhaus bietet eine nette Besonderheit für alle interessierten Wein- und Champagnertrinker, die hautnah erleben möchten, wie „ihr“ Wein entsteht: Sie können bei der Ernte mit handanlegen und zusammen mit dem professionellen Team in die Weinberge gehen. Danach geht es in dann in den Weinkeller und in die einzelnen Verarbeitungsräume. Am Ende des Tages erwartet Sie eine redliche Belohnung.

Übrigens, lassen Sie sich nicht in die Irre führen, wenn Sie nach dem Champagnerhaus bei Google-Maps suchen! Der Eintrag dort ist falsch und lokalisiert Marcel Vézien im benachbarten Dorf Landreville. Um diesen Fehler zu vermeiden, müssen Sie auf den Zusatz „Gr.“ bei der Adresse „Grand Rue“ 68 achten, die sich in Celles-Sur-Ource befindet.