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Weißwein aus Rioja

Die spanische Weinanbauregion Rioja ist weltberühmt für ihre hervorragenden Rotweine. Von "weißen Riojas" hat der deutsche Weintrinker zumeist noch nichts oder nur am Rande etwas gehört. Weißweine aus der vom Rotwein dominierten DOC Denomination?

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Tatsächlich fallen nur circa 20 % der dortigen Anbauflächen auf Weißweine und Rosados an. Doch was heißt schon "nur", wenn man bedenkt, dass die Rioja-Region eine über dreihundertjährige – eigentlich ist sie noch viel älter – Tradition in der Herstellung von Weißweinen auf dem Buckel hat. Namenhafte Weingüter der DOC Rioja verlören gewissermaßen ihr Gesicht, wenn sie nicht wenigstens eine oder zwei herausragende Weißweinsorten im Portfolio hätten. Und sie haben sie! Die Auswahl reicht von leichten, schnell trinkbaren Weißen bis hin zu den schwergewichtigen Reservas und Gran Reservas.

Weiße Riojas

Das als DOCa, "Denominación de Origen Calificada", zertifizierte Weinanbaugebiet Rioja zählt weltweit zu den besten ihrer Art. Es erstreckt sich entlang des Flusses Ebro im Norden Spaniens, woraus sich der Name der Region ableitet: "rio-oja" – "am Fluss Oja", der in den Ebro mündet. Die Anbauregion teilt sich auf in die Subregionen Rioja Alta, Rioja Oriental (ehemals Rioja Baja) und Rioja Alavesa, die wiederum Teile der drei autonomen Regionen La Rioja, Baskenland und Navarra sind. Die Gebiete der Denomination profitieren sowohl von den spezifischen Wetterbedingungen als auch von der geologischen Vielfalt. Ihre relative Nähe zum Atlantik sowie zu den Pyrenäen einerseits als auch ihre Lagen auf 300 bis 800 m. ü. M. machen die DOC Rioja zu einem gut durchlüfteten und damit je nach Lage relativ kühlen Anbaugebiet, was den Trauben frische Säure beschert. Allerdings wird die Gegend durch das vorgelagerte Bergmassiv von Wolken abgeschirmt und ist regional niederschlagsarm, was nicht jede Weißweinrebsorte gut verträgt. Am höchsten gelegen ist die Alavesa-Region im Norden des Flusses, an den Niederungen des Ebros liegt die Rioja Baja bzw. Oriental und westlich der Landeshauptstadt Logrono erstreckt sich Rioja Alta. Der unterschiedlichen geografischen Lagen entspricht auch eine weitgefächerte geologische Bodenbeschaffenheit. Die Bodenvielfalt ist groß und wechselt zwischen Lehm, Kalk, einem Gemisch aus beiden sowie Schwemmland mit Kiesel- und Sandeinlagerungen in den Niederungen der Flüsse. 

Wer seine Weißweine mit der geschützten DOCa-Kennzeichnung als "Qualitätswein mit kontrolliertem und garantiertem Ursprung" auf dem Etikett ausweisen möchte, der muss sich an die strengen Vorschriften halten, die zunächst nur drei Traubensorten zuließen: Viura (Macabeo), Malvasía Riojana und Garnacha Blanca. Im Jahr 2007 kam dann die große Erweiterung, die ein Zugeständnis sowohl an die Nachfrage und den Produktionswillen der hiesigen Winzer als auch an den Klimawandel war. Neben den erstgenannten, klassischen Rioja-Weißweinsorten dürfen nun weitere sechs Verwendung finden, darunter die vier spanischen: Tempranillo Blanco, Verdejo, Maturana Blanca und Turruntés, sowie die zwei internationalen Chardonnay und Sauvignon Blanc, die jedoch nicht mehr als 50 % in den Cuvées ausmachen dürfen. 

Im Rioja-Anbaugebiet bestellen circa 20.000 Winzer – viele sind Zulieferer an riesige Bodegas – knappe 63.000 Hektar und stecken ungefähr 85 % ihrer Traubenerträge in die Produktion von Rotweinen. Auf Weißweine und Rosés fallen 15 % bis 20 % der Gesamtlese an. Doch es wäre falsch, die weißen Riojas geringzuschätzen. Ganz im Gegenteil, sie sind auch bei den ausländischen Konsumenten im Kommen!

Garnacha Blanca

Verglichen mit den anderen spanischen Reben ist sie eine vergleichsweise junge Sorte, die eine spontane Mutation aus der roten Garnacha Tinta darstellt. In Rioja-Region wird sie vor allem in Rioja Baja angebaut, da sie wärmeliebend ist. Die Garnacha-Weißweine sind äußerst aromatisch und von einem guten Körper. Bei entsprechend gekonnter Vinifizierung sind hier herausragende reinsortige Weine zu erwarten, die einen hohen Alkohol- und niedrigen Säuregehalt haben und mit Zitrus- und Kräuternoten auftrumpfen. Garnacha wird gerne zu Cuvées verarbeitet, denen sie einen guten Körper und saftige Fruchtigkeit verleiht. Die weißen Riojas mit relativ hohem Anteil an Garnacha sind früher reif und dementsprechend viel eher trinkbar, da die Garnacha schnell oxidiert, was aber nicht ganz einfach zu vinifizieren ist.

Viura

Die weiße Sorte Macabeo heißt in der Rioja-Region Viura und gehört mit 90 % des bestockten Weißweinbestandes mit Abstand zu den beliebtesten Weißweinrebsorten Riojas. Viura braucht nicht viel Wasser und kann sowohl spät als auch früh gelesen werden. Ihre besondere Charakteristik, die sie so interessant macht, ist ihre zögerliche Oxidationsfähigkeit. Während sie in anderen spanischen Anbaugebieten sehr gerne zu Cavas verarbeitet wird, genießt sie im Rioja-Gebiet den Ruf, bester synergetischer Partner – z.B. mit Tempranillo und Garnacha –  für trockene Cuvées zu sein. Sie wird zu jungen, frischen und alkoholarmen Weißweinen von mittlerer Säure vinifiziert. Wird sie spät gelesen, so ergibt sie blumige, alkoholstarke und säurearme Weine. Je nach Region finden sich relativ viele Winzer, die mit ihr gerne experimentieren und trockene reinsortige Weißweine schaffen.

Malvasía Riojana

Der Malvasía-Rebe ist eine uralte Sorte, die aus Kleinasien stammt, und sich über Kreta in ganz Europa ausbreitete. Die antiken Weintrinker, allen voran die Griechen und Römer, liebten die daraus gekelterten Weine wegen ihrer süßlichen "fetten" Textur und diese Vorliebe hielt an bis ins 20. Jahrhundert hinein. Mittlerweile hat sich der Geschmack der Konsumenten so stark verändert, dass die Malvasía-Weine überall auf dem Rückzug sind. Auch in Rioja baut man zunehmend mehr säurebasierte, weniger oxidative Traubensorten an, so dass man nun der Viura den Vorzug gibt. Dennoch wäre es falsch, die sehr unterschiedlichen Malvasía-Varietäten über einen Kamm zu scheren, denn die jeweiligen Weine können sehr unterschiedlich ausfallen. Mal tendieren sie zu völligen Fruchtaromen nach Aprikosen und Pfirsichen, mal dominiert stärker die beerige Komponente der Johannisbeere, und mal haben die Malvasía-Weine hervorstechende rauchige Noten und dominante Säure. Im Alter kommen dann noch Nussaromen und entsprechende Gaumennoten hinzu. Malvasía Riojana gehört weiterhin zu dem Trio der klassischen weißen Riojas.

Tempranillo Blanco

Der Tempranillo Blanco ist erst 1988 'entdeckt' worden und seitdem einer der Weintrauben, die auf dem Vormarsch sind. Ein Weinbauer fand sie zufällig zwischen seinen Reben und ließ sie untersuchen. Der DNA-Test ergab, dass die neue Sorte eine natürliche Mutation aus der Tempranillo Tinto ist. Die Tempranillo Blanco eignet sich hervorragend für den Ausbau in Holz und ergibt weiche Textur und eine Fülle an fruchtigen bis floralen Noten. 

Verdejo

Die Verdejo-Traubensorte breitete sich von der Gegend von Toledo bzw. Madrigal, ihre Ursprünge werden aber in Nordafrika angenommen. Sie ergibt Weine von mäßigem Alkoholgehalt mit einer typisch grünlichen Farbe im Glas. Die Weine sind vollmundig, von mittlerer Säure, aromatisch, aber mit einer charakteristischen Note nach Bittermandel und einem leicht bitteren Nachgeschmack. In Rioja werden die Verdejo-Weine gerne zu Cuvées mit beispielsweise der Macabeo bzw. Viura oder Sauvignon Blanc verschnitten. Der Ausbau in Eichenholzfässern gibt dem Verdejo, vor allem wenn er als sortenreiner Wein ausgebaut wird, eine beachtliche Komplexität.

Weinregion Rioja – ein Spätzünder

Der Weinanbau in der Rioja-Region ist seit 1620 verbrieft, doch wir können davon ausgehen, dass die ersten Reben weit vor diesem Datum gepflanzt und zur Weinherstellung genutzt wurden. Dennoch dauerte es vergleichsweise lange, bis die Qualität der hiesigen Weine sich auch international herumgesprochen hat. Denn der Aufschwung kam erst im 19. Jahrhundert und war gekoppelt an die Reblausplage im Nachbarland Frankreich. Dort, wo die Rebseuche besonders stark wütete, hinterließ sie tote Weinberge und zerstörte Winzerexistenzen. So manch ein französischer Winzer entschied sich, nach Spanien und in das Rioja-Gebiet auszuwandern, das von der Reblausplage nur wenig bis gar nicht betroffen war. Auf diese Weise kam es zu einem enormen Knowhow-Schub in die spanische Region, was zu einer Qualitätserhöhung in der Weinherstellung, nicht zuletzt auch bei den Weißweinen, führte. 

Den französischen Winzern kamen aus dem Bordeaux und brachten ihre spezifischen Vinifizierungsmethoden mit. Gekeltert wurde fast nur in Holz, wobei die kleinen Größen, die Barriques oder barricas, eine bedeutenden Rolle spielten. Rotweine wie Weißweine wurden monate- bis jahrelang in Eichenfässern ausgebaut, um auf diese Weise mehr Komplexität und Weichheit durch geschliffene Tannine zu erreichen. Auch die Bauweise der Fässer wurde aus dem Bordeaux übernommen, darunter die Verwendung französischen Eichenholzes, das auf natürlichem Wege jahrelang im Freien (statt im Ofen) getrocknet und von Hand gespalten (statt gesägt) wurde. Das amerikanische Eichenholz und maschinelle Holz- bzw. Fassverarbeitung kamen – da sie um vielfaches günstiger waren – im 20. Jahrhundert massenweise in Riojas Bodegas vor, doch mittlerweile nehmen immer mehr, vor allem die namenhaften Weinproduzenten, davon Abstand und kehren zu den alten, auf Bordeaux-Methoden beruhenden Techniken zurück. 

Die Rioja Weißweine und ihre Klassifizierungen

Die Weißweine aus Rioja unterliegen den gleichen Vorschriften und Klassifizierungen wie ihre roten Pendants. Ein paar Unterschiede gibt es dabei dennoch. 

Die weißen Riojas sind jung genossen spritzig, blumig und säurebasiert. Die Rede ist von den sogenannten "Joven", den Jungweinen, das heißt Weinen ohne einen nennenswerten Alterungsprozess, die bereits nach einigen Monaten zum Kauf angeboten werden. Sie sind nicht nur ausgesprochen süffig, sondern verfügen darüber hinaus über ein erstaunlich gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und machen circa 40 % der angebotenen Riojas aus. 

Traditionell gelagerte Weißweine, die sogenannten klassischen Riojas, tragen die Bezeichnungen "Crianza", "Reserva" oder "Gran Reserva". Crianza bedeutet "gereift", was die Haupteigenschaft dieser Weißweine beschreibt. Die Winzer sind dazu verpflichtet, diese Weine insgesamt mindestens 24 Monate lang zu lagern, davon mindestens ein Jahr im Holzfass und sechs Monate im Barrique sowie eine Restzeit in der Flasche. Erst dann gelangen sie in den Verkauf. Crianzas machen weniger als 40 % der Produktion in der Region Rioja aus.

Weißweine mit dem Etikett "Reserva" oder "Gran Reserva" lagern mindestens 24 bzw. 48 Monate im Fass, auch sie müssen davon mindestens sechs Monate in Barrique verbringen. Bei hochqualitativen Rotweinen gehen die Winzer schon mal gerne über die vorgeschriebenen Mindestzeiten hinaus, ob das bei Weißweinen immer so sinnvoll ist bzw. wäre, ist eine andere Frage. Der Produktionsanteil liegt bei Reservas bei circa 15 % und 3 % bei Gran Reservas.

Während einige der weißen Crianza-Riojas manches Mal noch als 'gereifte Jovens' durchgehen könnten, da sie noch lebendige Säure haben können, sind die weißen Reserva- und Gran-Reserva-Weine von getragener Persönlichkeit, entwickeln volle Körper und beanspruchen daher einen kulinarischen Partner für sich. 

Der Vollständigkeit halber zu erwähnen, jedoch de facto äußerst selten vorzufinden, sind zwei weitere Auszeichnungen der Rioja-Weine. Es handelt sich dabei um die Etikettierung mit "Vino de Pago" und "Vino de Autor". Während die erste Klassifizierung mit "Lagenwein" übersetzt werden kann und eine offizielle Bezeichnung für Weine aus berühmten Einzellagen ist, handelt es sich bei der zweiten um eine inoffizielle Kennzeichnung von "Autorenweinen". Diese zeichnet eine besondere Vinifizierung und deutliche Handschrift des Weinmachers aus. Dazu können beispielsweise die sogenannten Garagenweine zählen. Die Mengen an beiden Weintypen sind äußerst limitiert. 

Der Weißwein Rioja, der sich ändert

Klassische Rioja Blancos sind gekennzeichnet durch ihren Ausbau im Eichenholz und in Barrique. Zwar werden sie nicht gar so exzessiv in Berührung mit dem Holz gehalten, doch im Grunde folgen sie dem Bordeaux-Stil ihrer roten Rioja-Verwandtschaft. Von Crianza bis Gran Reserva waren bzw. sind die Rioja Blancos stilistische Schwergewichte mit sanften Tanninen und vollen, warmen Aromen nach Vanille, Karamell, Kaffee und gerösteten Nuancen von Nüssen. Lagerten sie zu lange, oder bewies der Winzer nicht so ein gutes Händchen während der Vinifizierung, so schlichen sich zuweilen auch benzinartige Noten hinzu. 

Stark körperliche, vollmündige Weißweine waren und sind eine Kunst für sich und sie bedürfen zumeist eine nicht minder gut gewählte kulinarische Begleitung. Sie sind nicht so beschwingt und leicht zugänglich wie die weißen Jungweine, sondern bedürfen eine gewisse Entwicklungsphase. Nichtdestotrotz ist die Empfehlung, sie kühl zu trinken, und das heißt bei circa 8 bis maximal 12 °C.

Die Vorlieben der Weintrinker ändern sich, und das betrifft ganz besonders die Rioja-Weißweine. Während die grundsätzliche Tendenz zu Weißweinen immer deutlicher zu spüren ist, werden gleichzeitig die schneller zugänglichen, fruchtigen und spritzigen Weißweine den durchgereiften vorgezogen. Die Änderung im Kaufverhalten spiegelt sich auch bei den "modernen" Rioja Blancos wider, bei denen die Verwendung von Eichenholz immer mehr zurückgeht oder zumindest verkürzt wird, um auf diese Weise mehr Säure und Lebendigkeit in den Weißen aus Rioja zu erhalten. Der Klassiker unter den Rioja Blancos ist immer noch die Cuvée aus Malvasía-Trauben und den Viura.

Welche sind die besten Rioja Blancos?

Den Einsteigern in die weiße Weinwelt der Riojas kann man die Namen der berühmten Bodegas aus der Region ans Herz legen. Bodegas Muga, Barón de Ley, Bodegas Faustino, Bodegas Riojanas, Marqués de Murrieta oder Marqués de Riscal sind Produzenten von herausragenden roten Rioja-Weinen und bieten ihr ganzes önologisches Können auch bei der Herstellung von weißen Riojas auf. Hier finden Kenner wie Einsteiger sowohl klassische weiße Crianzas, Reservas und Gran Reservas als auch junge und frische Weißweine. 

Nahezu alle der berühmten Erzeuger wie Bodegas Muga, Marqués de Murrieta, Barón de Ley oder Bodegas Riojanas machen wunderbar fruchtige, elegante Weißweine, die oft durch ihre besondere Würze und Kräuternoten begeistern. Die meisten kommen jung und frisch auf den Markt, einige wenige Erzeuger bauen ihre Weißweine aber noch nach der klassischen Methode mehrere Jahre im Holzfass aus. Tiefe, Kraft und Charakter erinnern fast an Sherry – diese Weine sind wunderbare Essensbegleiter. 

Ein gutes Beispiel für den neuen Vinifizierungsstil ist die Cuvée aus 75 % Viura und 25 % Tempranillo Blanco von Gómez Cruzado: Sein "Montes Obarenes" ist ein lebendiger, frischer, überaus aromatischer und mit einem langen Finish versehener weißer Rioja. Hier kommen neben Spontangärung im Stahltank sowohl Zementtanks als auch französische Barriques zum Tragen. 

Last but not least und unbedingt zu beachten ist Remírez de Ganuza und sein "Blanco Reserva" aber auch die Weißen von Bodegas Muga, wie zum Beispiel der faszinierende "Flor de Muga" Blanco, ein Crinaza-Wein aus Viura, Garnacha Blanca und Maturana Blanca, der sechs Monate in neuen französischen Barriques und 18 Monate in der Flasche reift. Die Fässer stellt Bodegas Muga in der eigenen Böttcherei her!