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Biondi Santi- Tenuta Il Greppo

Il Greppo & Biondi Santi – Die Brunello-Legende lebt französisch weiter

Die Weinkellerei Il Greppo hat es schon vor Ferruccio Biondi Santi gegeben, doch der geniale Winzer hat das Fundament zu dem gelegt, was Greppo für mittlerweile viele Generationen an Weinkennern ist: die Geburtsstätte des „Brunello di Montalcino“ und die Schmiede der allerbesten von dieser Sorte. Längst ist das mittelalterliche Städtchen Montalcino zu einer Pilgerstätte für alle Brunello-Wein-Liebhaber und jene, die es vielleicht werden wollen, geworden. Was an Biondi Santi so besonders ist? Ferruccio – und nach ihm seine Erben –  hatte die Chuzpe, gegen das Herkömmliche ‚Verdünnen‘ und Verschneiden der regionalen Weine aufzubegehren und einen Wein zu kreieren, der ausschließlich aus einer singulären Traubensorte gemacht wird. Nein, nicht irgendein Wein aus irgendwelchen regionalen Trauben! Vielmehr handelte es sich dabei um „seinen“, auf Il Greppo gezüchteten Klon der Sangiovese-Grosso-Rebsorte, der fortan „Brunello“ genannt wurde. Das passierte alles um 1888 herum. Es dauerte noch paar Jahrzehnte bis die Weine der Winzerfamilie Biondi Santi weltberühmt wurden. Heutzutage weiß man, dass es sich bei der Traubensorte „Brunello“ genetisch um eine Sangiovese-Spielart handelt und daher gilt die sogenannte Rebe nicht mehr als eigenständig. Dennoch, der Sangiovese aus Montalcino heißt dort für alle Ewigkeit eben „Brunello“ und die Biondi Santi sind weltweit die einzigen Winzer, die einen eigenen, nach ihnen benannten Klon vorweisen können. Auch der Wein, den die Biondi Santis als „Brunello di Montalcino“ bezeichneten, und der bis heute so heißt, ist nicht für das schnelle Trinken, sondern für die Ewigkeit gemacht. Die Riserve-Weine des Greppo-Kellers beweisen, dass ihr „Brunello di Montalcino“ auch nach über 100 Jahren seine Qualität hält. 

Lange Zeit hatte die Winzerfamilie Biondi Santi ein Monopol auf den Wein, den sie aus 100 % Brunello-Sangiovese-Varietät in großen Eichenfässern gemacht haben (und weiterhin machen). Seit den 1970er Jahren produzieren viele, man könnte eigentlich sagen: alle Winzer der kleinen Montalcino-Region den „Brunello“. Nicht alle sind so erstklassig wie die der Tenuta Il Greppo, doch viele machen ihr heutzutage gute Konkurrenz, doch die alten Brunelli der Biondi Santi, die die Familie bis 2016 machten, bleiben de facto unerreichbar. Sie sind, das muss man schon sagen, nichts für Anfänger, die den schnellen Genuss suchen. Legendär ist der Brunello di Montalcino Riserva von 1955, den das Fachmagazin „Wine Spectator“ als einzigen italienischen Wein auf die Liste der „Besten Weine des 20. Jahrhunderts“ setzte. Weitere Jahrgänge 1983 und 2012 führen den Kult um diese Rotweine weiter. Die historischen Jahrgänge der Biondi-Santi-Weine erreichen, wie einige Kritiker zu Recht sagen, regelrechte Fantasiepreise. 

Bedauerlicherweise hat dieses historisch so überaus wichtige Familienunternehmen seine Anteile an eine international agierende französische Firma, die EPI Houlding, verkauft. Die Zeichen auf Il Greppo stehen nun auf „Evolution“ und nicht auf „Revolution“, wie der neue Leiter der Tenuta bereits ankündigte…

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Immer noch unvergleichlich: Die Geburtsstätte des Brunello-Weins

Die Tenuta Il Greppo liegt in die Gemeinde Montalcino im Val d’Orcia südlich von Siena und verfügt über circa 32 Hektar Weinberge, einige davon liegen rund um das Anwesen, wovon circa 5 Hektar zwischen 1930 und 1972 bestockt wurden. Der vollständigkeitshalber muss man noch weitere Weinberge und Ländereien, insgesamt circa 150 Hektar Land (47 ha auf Il Greppo, 105 ha in Pieri), nennen, die im Besitz der Familie Biondi Santi bis 2016 waren. Die Familie Biondi Santi gehört auch das Weingut Poggio Salvi an der toskanischen Küste in der Maremma. Auch dort wird ein „Brunello di Montalcino“, jedoch nach anderen, weniger klassischen Verfahren produziert.

Bestockt sind die Weinberge der Il Greppo ausschließlich mit der Sangiovese-Varietät, die der Vorfahre der heutigen Winzer als einen Sangiovese-Klon züchtete und sie „Brunello“ nannte. Die Tenuta besitzt sowohl Weinareale mit 80 und 25 Jahre alten Gewächsen als auch mit recht jungen Reben von circa 10 und 5 Jahren. Seit 2021 werden Verjüngungen und Neubestockungen vorgenommen. Zuvor scannen die neuen Tenutabesitzer den Boden der Weinberge, um so die Weinbergbearbeitung effizienter und auf die Gewächse abgestimmter zu gestalten. Während die erstgenannten Trauben für die Produktion der Riserve-Weine Verwendung finden, liefern die jüngeren, mindestens aber 10 Jahre alten Rebstöcke die Trauben für den „Annata“, den Jahrgangswein der Tenuta. Il Greppo verfährt nach einer strickten Qualitätskontrolle, die nur bestens ausgereifte, knackige und frische Trauben passieren. Die Zweitwahl, bei vielen Winzern immer noch gut genug, um als Erstwahl durchzugehen, wird als Bulkware für Tafelweine weiterverkauft.

Das Greppo-Anwesen liegt auf einem 385 bis 507 Meter hohen Hang im Südosten von Montalcino. Die Weinhänge sind bestens zu Sonneneinstrahlung positioniert und verfügen über Bodeneigenschaften, die für den Sangiovese-Grosso-Klon wie geschaffen sind. Die Varietät liebt es nicht so sehr, auf reichhaltigen Böden zu wachsen, und bevorzugt mageren Mergel, der mit Steinen versetzt ist. Genau diese Verhältnisse bieten die Hügel der Tenuta Greppo. Die mikroklimatischen Bedingungen zeichnen sich durch tendenzielle Trockenheit aus mit deutlichen Tag-Nacht-Temperaturschwankungen, vor allem in den Erntemonaten September und Oktober, was den Trauben einerseits ihre volle, langsame Ausreifung, andererseits eine gute Säurekomplexität garantiert. 

Die Erneuerung der Weinberge begann im Jahr 1970 als Franco Biondi Santi zusammen mit zwei Professoren der „Tree Cultivation Instutute“ der Fakultät für Agrarwissenschaften von der Universität Florenz begann, systematisch die Klone, die sein Großvater Ferruccio in den 1880er Jahren entwickelt hatte, auf ihre Potentialität durchzusehen. Es gab viel zu tun, denn die Tenuta Il Greppo verfügte über viele Klonkreationen aus dem 19. Jahrhundert. Für das Team um die beiden Professoren galt es, die besten auszuwählen. Eine weltweite Einmaligkeit stellt derjenige Sangiovese-Klon, der in seiner offiziellen Buchstabenkodierung den Namen seines Erfinders trägt. Es handelt sich dabei um den Klon „BBS11“, Brunello Biondi Santi Reben Nr. 11. Der BBS11-Klon wurde gleicherweise ins Register der EU aufgenommen und steht auf der Liste der „Recommended Vines“. Gleichzeitig ist die Tenuta Il Greppo die einzige, die diesen Ur-Klon weiter züchtet und bis 2021 ausschließlich zur Vinifizierung verwendete.

Der Weinkeller der Tenuta ist uralt, aber wenn es um die technische Ausstattung geht alles andere als altbacken. Die Vinifizierung wird hier vor allem in großen, traditionellen Fässern aus slawonischer Eiche von einem Fassungsvermögen zwischen 10 und 40 Hektolitern, sowie in gleicherweise großen Zementtanks vorgenommen. Ihnen zu Seite stehen einige Edelstahltanks für spätere Alterungsprozesse. Die erste Fermentation findet in temperaturgeregelten großen Zementtanks und in mittelgroßen Bottichen im Zeitraum von 15 bis 18 Tagen statt. Während der Gärung wird der Most alle zwei Tage umgepumpt und der Trester per Hand gerührt. Nach der Abfüllung wird die malolaktische Gärung eingeleitet, die circa 30 Tage dauert. Danach geht es für den Wein in die großen slawonischen Fässer, wo der Brunello mindestens 36 Monate altert. Abgefüllt in Flaschen muss der Wein noch weitere sechs (und länger) Monate ruhen, erst dann gelangt er in den Verkauf. 

Seitdem die Tenuta im Jahr 2021 sich vergrößert hat und zudem in den Besitzt einer Holding übergegangen ist, hört man von dem neuen Manager Giampiero Bertolini, dass einiges sich im „evolutionären“ Sinne verändern soll. Man kann also gespannt sein, wieviel von den altehrwürdigen Kelterungsverfahren der Biondi Santi auf der ‚neuen‘ Tenuta Il Greppo überleben wird.

Die „Erfindung“ des Brunellos: Spannender geht’s nimmer

Die Tenuta Il Greppo besteht wahrscheinlich schon seit dem 16. Jahrhundert. Den ersten Schritt, und daher offiziell 1840 gegründet, in Richtung Bekanntheit machte sie erst mit Clemente Santi, dem Sohn von Luigi Santi und Petronilla Canali und Neffen des berühmten italienischen Botanikers, Chemikers und Geologen Giorgio Santi (1746-1822), der die Toskana unter vielen Naturaspekten erforschte und in weltweit vielbeachteten Büchern beschrieb. Clemente Santi erbte einige Güter in Montalcino von der Familie Canali und in Pienza von der Familie Santi und betätigte sich als versierter Agronom. Unter den von ihm betrauten Ländereien befand sich auch das Gut mit dem Namen „Greppo“, das seiner Mutter Petronilla Canali gehörte und bereits lange als Weingut betrieben wurde. Clemente Santi war selbst ein studierter Pharmakologe und Chemiker, begann sich aber früh mit önologischen Fragen zu beschäftigen und war der erste, der die Technik der Vinifizierung auf Grundlagen der damaligen „Önologie“ oder „Weinbiologie“, semi-wissenschaftlichen Untersuchungen und Beobachtungen, auszurichten versuchte. Mit phänomenalen Erfolg, denn seine Rotweine Jahrgang 1865 – die späteren „Brunelli“– und seine „Moscatello di Montalcino“ wurden mit dem wichtigsten Weinpreis der damaligen Zeit auf der Pariser Expo von 1867 ausgezeichnet. Santis Vinifizierung zielte auf Langlebigkeit der Rotweine ab, wobei er den fassgelagerten Alterungsprozess als äußerst gewinnbringend für die Entwicklung des jeweiligen Rotweins identifizierte.

Zum nächsten Qualitätssprung der Greppo-Weine trug Clementes Tochter, Caterina Santi, bei, die den aristokratischen Jacopo Biondi heiratete und ihm einen Sohn gebar, den sie Ferruccio nannten. Ferruccio Santi erbte nicht nur die Ländereien der Mutter, sondern vor allem die Weinpassion seines Großvaters mütterlicherseits. Als Verneigung in Richtung der Familie Santi nahm er ihren Namen an und so entstand fortan der Doppelname Biondi Santi, der mittlerweile jedem Weinkenner bekannt ist. Ferruccio haben wir zu verdanken, dass die Brunelli di Montalcino zu den Weinen wurden, was sie heutzutage für uns sind: legendäre, unnachahmliche, überaus langlebige Rotweine der Toskana. Ferruccio war ein von Qualität geradezu besessener Winzer, der für seine Tenuta hohe Produktionsstandards aufstellte, und die Weinberge mit den Erkenntnissen seines Großvaters weiterführte. Ihm spielten zwei aufeinander folgende Unglücke in die Hand, die europaweit die Weinhersteller in die Verzweiflung und zur teilweisen Ausrottung alter Rebenbestände führten. Die Rede ist von dem Mehltau (Oidium), von der Reblaus  (Phylloxera), später gefolgt vom Falschen Mehltau. Die Seuchen brachten Ferruccio dazu, mit verschiedenen Veredelungen zu experimentieren, um die von der Reblaus verschonten Pflanzen zu erhalten. Ferruccio nutzte wilde Weinstecklinge und veredelte diese mit seinen Mutterreben. Dieser Veredelungskur unterzog er seine gesamten Weinberge. Das ist die Geburt des als „Brunello“ in die Weinannalen eigegangenen Klons der Sangioveserebe. 

Zum anderen entschied sich Ferruccio schon früh gegen den allgemeinen Trend seiner Kollegen, möglichst schnell die Reblaus-, später auch die kriegsbedingten Verluste auszugleichen und möglichst schnell dem steigenden Weinkonsum nachzukommen, was durch dünne, schnell gemachte Rotweine geschah und die Chianti-Region nachhaltig in Verruf brachte. Am Ende des 19. Jahrhundert – man spricht gerne von dem „Stichdatum“ 1888 – vinifizierte Ferruccio Biondi Santi einen reinen Sangiovese-Wein nach einer speziellen Methode und ausschließlich von seiner „Brunello“ Varietät. Der Wein sollte erst nach einer langen Reifung in Flaschen abgefüllt werden und gleicherweise geeignet sein, seine Qualität durch weitere Lagerung zu steigern. Trotz nicht weniger auch spöttischer Kritik ging Il Greppo in die großangelegte Produktion des neuen Brunello-Weins. 

1932 bestimmte eine offiziell beauftragte Kommission, deren Aufgabe es war, die Reben und Weine der Chianti-Region auf ihre Qualitäten, historische Hintergründe und Einmaligkeit zu untersuchen, Ferruccio Biondi Santi zum Erfinder des Klons „Brunello“ und des danach benannten Weins. Doch das erlebte Ferruccio nicht mehr – er starb 1917. Die Tenuta übernahm sein Sohn Tancredi, der schon früh in die besonderen Vinifizierungsmethoden von seinem Vater eingeweiht wurde. Zusätzliches Wissen erlernte er auf der damals prestigeträchtigen Weinschule in Conegliano Veneto und machte einen Universitätsabschluss in Agronomie an der Universität von Pisa. 

Tancredi Biondi Santi ist eine Innovation zu verdanken, die die Brunello-Weine der Tenuta auf die allesentscheidende Qualitätsstufe hob, und sie zu dem machte, was sie heutzutage sind. Mitte der 1920er Jahren fiel ihm auf, dass seine langgelagerten Weine an Qualität verloren. So entschied er sich zu einem revolutionären Schritt: Er entkorkte seine alten Lagerweine, prüfte ihre Qualität, füllte sie anschließend mit Weinen desselben Jahrgangs auf und verschloss sie erneut. Diese Methode wandte er zum ersten Mal im Jahr 1927 an und füllte seine Riserve-Weine Jahrgang 1888 und 1891 auf. Tancredi wiederholte dieses Vorgehen später für die Jahrgänge 1888, 1891, 1925 und 1945, die er im Beisein renommierter italienischer Weinkenner zum letzten Mal im März 1970 vornahm. Die Qualität seiner alten Brunelli machte die Tenuta Il Greppo weltberühmt, sein kompromissloser Traditionalismus brachte ihm zugleich auch viel Kritik und Kopfschütteln, gleichwohl auch nicht immer zufriedene Käufer, die gefälligere Weine lieber hätten und keine Geduld mit den speziellen Brunello-Weinen der Greppo hatten. 

Franco Biondi Santi verkörperte die nächste Generation der Biondi Santis, die das alte Winzerwissen der Familie ad persona versammelte. Auch Franco lernte schon früh alles Wissenswerte von seinem Vater Tancredi, allerdings übernahm er die Führung der Tenuta erst nach seinem vollendeten Agrarstudium an der Universität von Perugia, wo er den Abschluss in Önologie machte. Franco strebte im Rahmen des Altbewerten nur dann nach Neuerungen, wenn sie der Qualität der Weine zugutekamen. Und das war selten genug. Während die Winzer der Region schnell auf das gute Pferd des neuen Hypes um die Brunello-Weinen aufsprangen, so dass die Sangiovese-Weinareale der Region exponentiell stark, von nur 76 Hektar im Jahr 1967 auf 2.100 Hektar im Jahr 2009 stiegen, setzte das Haus Biondi Santi weiterhin auf das rechte Maß in der Produktion und erweiterte die eigenen Weinberge in all den Jahrhunderten von anfänglichen 4 auf 25 Hektar bis 2016. Doch egal wie sich die Nachbarn anstrengen mochten (und mögen), es ist de facto kaum möglich, die über 100-jährigen Riserve-Weine der Biondi Santi zu überflügeln. Franco Biondi Santi war eine aristokratische Erscheinung und ein unbeugsamer, der eigenen Hausgeschichte mit Haut und Haar verschriebener Weintraditionalist. 

Trotz oder gerade wegen seiner Rigorosität sah Franco sich dazu gezwungen, das Familienunternehmen im Jahr 1988 in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln. Die damaligen Trinkgewohnheiten der Weinkonsumenten, unterstützt durch die Vorlieben renommierter Weinexperten, favorisierten trinkbare, voluminös-fruchtige, „moderne“ Weine, die weniger Säure und ein schnelles Gaumenerlebnis versprachen. Die neue Mode vertrat allen voran Robert Parker und seine US-amerikanischen Kollegen, denen man heutzutage wiederum die „Amerikanisierung“ der alten europäischen Weine vorwirft. In den 1980er Jahren war die Nachfrage nach den unzugänglichen Biondi-Santi-Brunelli stark gesunken. Zwar blieb Franco Biondi Santi bezüglich seiner Weinphilosophie von diesem Rückgang unbeeindruckt – „Biondi Santi Weine sind für 50 Jahre und nicht für hohe Bewertungen gemacht“ –, doch aus finanzieller Sicht war eine Lösung des Problems notwendig. Nur wenige Jahre später übertrug Franco die Führung von Il Greppo seinem Sohn Jacopo. Allerdings schreckte der Patriarch nicht davor zurück, später den eigenen Sohn zu verklagen, als dieser in der Maremma ein Weingut kaufte, um dort Brunello-Weine unter dem Biondi Santi Namen jedoch im anderen Stil zu produzieren. Franco vertrat die Meinung, dass nur seine, traditionell hergestellten Greppo-Brunello-Weine unter dem Familiennamen vermarktet werden dürfen. Unverzeihlich war auch der Vorstoß seines Sohnes in Richtung der „modernen Brunelli“, womit er mit der als „eisern“ geltenden Familien-Weintradition brach. 

Im April 2013 verstarb Franco Biondi Santi im Alter von 91 Jahren. Er hinterließ seiner Ehefrau und seinen beiden Kindern nicht nur eine legendäre Tenuta, sondern auch eine in ihrem Wert nicht zu unterschätzende Vinifizierungserfahrung, die seit beinahe 300 Jahren auf Il Greppo ununterbrochen gepflegt wurde. Nach seinem Tod ruhte die Zukunft des Brunello del Greppo vordergründig zwar auf den Schultern von Francos beiden Kindern: Jacopo, dem Winzer und Önologen der Tenuta, und Alessandra, die sich verstärkt – und das ist durchaus etwas neues im Hause Il Greppo – um das Marketing kümmerte. Auch Tancredi Junior, Jacopos Sohn, war als Vertreter der siebten Generation mit von der Partie und sollte demnächst wie sein Vater und Großvater zuvor die Leitung der Tenuta übernehmen. Doch hinter den Kulissen sah es anders aus, denn seit dem Tod des Patriarchen hält die französische EPI Holding Limited, die der Familie Descours gehört, die Aktienmehrheit der Tenuta. Die französische Firma investiert gezielt in die Montalcino-Weingegend und kauft gerne gleich alles auf, wie beispielsweise schon die Champagnerunternehmen Château La Verrerie in Luberon, sowie Charles Heidsieck und Maison Piper-Heidsieck in der Champagne. Ende 2016 war es soweit: Die EPI kaufte das traditionsreiche Il Greppo von Biondi Santi für 107 Millionen Euro (laut der Zeitung „Il Sole 24 Ore”) auf – wozu die Handelsmarke, die Gebäude der Tenuta und 26 Hektar Weinberge gehören –, womit sich die Skepsis Francos seinem Sohn gegenüber in gewisser Weise als zutreffend erwies. 2020 suchte und fand die EPI weitere Top-Lagen, um die Produktion der Greppo-Tenuta zu steigern, und kaufte schließlich 2021 die Mikrozone San Polo mit 6 Hektar Weinland auf, das zuvor dem argentinischen Magnaten Alejandro Bulgheroni gehörte. Zwar war noch 2020 die Rede, dass Trancredi Jr. das neue Gesicht der Il Greppo sein sollte und die Familie Biondi Santi weiterhin die Tenuta leiten werde, doch Anfang 2021 ist davon keine Rede mehr. Der CEO der Tenuta ist der in der Weinbranche bestens bekannte Giampiero Bertolini, der zuvor 16 Jahre lang die Tenuta des Marchesi de’ Frescobaldi managte. Als technischer Kellermeister und Weinmacher fungiert der junge Federico Radi. Paolo Vagaggini, der 2013 mit dem „Wine Star Award“ als einer der fünf besten Weinmacher der Welt ausgezeichnet wurde, ist der önologische Berater der Tenuta, die nun offiziell „Il Greppo Biondi Santi“ heißt.

Darüber hinaus hat Christopher Descours circa vier Milliarden in den Ausbau und Modernisierung des Kellers und der Weinberge gesteckt, die Produktion ist von 80.000 auf 110.000 heraufgefahren und auch die Weinpalette soll allmählich verändert werden. Natürlich alles zum Besseren und unter Beibehaltung der legendären Typizität der „echten Brunelli“. 

Das Portfolio der berühmten Brunello-Erfinder heute

Das Portfolio der Brunello-Schmiede Il Greppo ist immer noch angenehm übersichtlich. Hier konzentriert man sich auf das Wesentliche und produziert neben den Flaggschiffen Brunello di Montalcino „Annata“ DOCG, der auch als Riserva ausgebaut wird, auch einen Rosso di Montalcino DOC „Fascia Rossa“ und einen „White Label“, sowie einen „Rosato di Toscana“ IGT. 

Während die Trauben für den „Rosso di Montalcino“ von den jüngeren, fünf bis Maximum zehn Jahre alten Klonen („White Label“) kommen und 12 Monate in großen slawonischen Fässern altern – was den Wein fruchtig, aromatisch und jung trinkbar macht –, ist der Brunello „Annata“ ein Schwergewicht für Fortgeschrittene. Hier kommen ausschließlich Trauben aus den älteren, 10 bis 25 Jahre alten Reben zum Einsatz. Er altert mindestens 36 Monate lang in den gleichen Eichenfässern wie der „Rosso“, hat aber in allem mehr und wird noch einmal von dem nur in besten Weinjahren produzierten Brunello di Montalcino Riserva getoppt, der aus Trauben der ältesten Weinreben von 25+ Jahre gemacht wird. Die Brunelli der Tenuta Il Greppo sind nichts für Schnelltrinker und schnelle Genießer! Wer ungeduldig ist – und bei jungen Jahrgängen nicht mindestens 10 bis 25 Jahre wartet – und den Biondi-Santi-Brunello schnell entkorkt, der wird möglicherweise mit zu knackiger Säure und dichter Struktur bestraft. Die Greppo-Weine sind diesbezüglich ein Überraschungspaket, das jeden reichlich belohnt, der sich an die Empfehlungen des Hauses hält: 25 Jahre ab Flaschenfreigabe und 8 Stunden – ja, nicht verschrieben – ab Entkorkung… Aber dann, dann ist das richtige Gefühl für einen d e r klassischen Brunello-Weine, beinahe immer noch unverändert seit 1888, da! Wofür die Weine der Biondi Santi gemacht sind? Sicherlich für die Ewigkeit! Und hoffentlich wird es so bleiben auch wenn die Zeichen der neuen Besitzer auf „Evolution“ stehen. 

 

Il Greppo – Biondi Santi

Gründungsjahr: 1840 (bestehend seit 16. Jh.)
Eigentümer: Christopher Descours (EPI Holding)
Önologen: Federico Radi und Paolo Vagaggini (Berater)
Jahresproduktion: ca. 110.000 Flaschen
Rebfläche: ca. 32 ha in naturnahem Anbau

Notabene: Die Tenuta Greppo kann nach Voranmeldung besichtig werden. Nicht vergessen, in dem historischen unterirdischen Weinkeller lagern noch fünf Flaschen des 1888-Jahrgangs und einige wenige des 1891ers – das sind die wahren Schätze der Tenuta, die selten genug bei mancher noblen Degustation zur Probe kredenz werden. Keiner der Biondi Santi zweifelte jemals an den Qualitäten dieser historischen Weine. Und sie haben jedes Mal Recht behalten. Burton Anderson, der renommierte Weinjournalist und Buchautor, besuchte das Weingut in den 1980er Jahren und war tief von den Weinen, aber auch der Familiengeschichte bewegt. Er veröffentlichte 1988 das Buch „Biondi Santi: The family that created Brunello di Montalcino“, ein lesenswertes Dokument einer ungewöhnlichen Familie – und ihrer Weine!