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Franz Haas

Pinot Nero, Höhenlagen und die Passion eines Franziskus

Im Februar 2022 erreichte die schockierende Nachricht die Weinwelt: Franz Haas ist plötzlich verstorben. Der Winzer aus Montan in Südtirol galt unter den Weinkennern als herausragender Tüftler, aber auch als fanatisch, wenn es um die Pinot-Nero-Traube ging. Er gehörte zu jenen Vorreitern, die für gezielte Steigerung der Südtiroler Weinqualität einstanden, und hatte sich mit Hingabe der Pflege der Weinberge als auch den Experimenten mit neuen Klonen auf Hochlagen verschrieben.

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Pinot Nero 2021 Franz Haas
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Pinot Grigio 2022 Franz Haas
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Manna Bianco IGT 2021 Franz Haas
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Franz Haas war es, der mit Weinen wie seiner "Schweizer"-Selektion nicht nur die eigene Weinkellerei in die Top-100 der besten Weine weltweit hievte, sondern auch Südtirols Weine in den Fokus des allgemeinen Interesses brachte. Wir sind zuversichtlich, dass sein Erstgeborener Sohn, Franz VIII., die Arbeitet seines Vaters auf dem gleichen spannenden Niveau fortsetzt, das dem Weingut bisher Höchstbewertungen von Bibenda, Falstaff, Maroni, Gardini, Antonio Galloni bis hin zu James Suckling sicherte. 

Immer weiter in die Höhe – den Pinots zuliebe 

Das Weingut Franz Haas befindet sich in Montan, zwischen Bozen und Trient. Mittlerweile bestellt es an die 60 Hektar Weinberge in den Gemeinden rund um Montan (Aldein, Truden, Neumarkt, Montan), wovon einige dem Weingut selbst gehören, andere hingegen gepachtet sind. Für die Vinifizierung nutzt das Weingut sowohl ihre eigenen als auch dazugekaufte Weintrauben, die sie von handverlesenen Winzern der Umgebung beziehen. 

Die Probleme des Klimawandels wurde bei Franz Haas schon früh erkannt und so wurde bereits in den 1990er Jahren beschlossen, die Weinberge immer weiter in der Höhe anzulegen. Heute liegen die niedrigsten Weinberge des Weinguts, wie beispielsweise der Egna, auf ca. 245 m. ü. M., wohingegen die höchste Lage Aldino sich auf 1.150 m. ü. M. befindet. Damit zählt sie zu den höchsten bewirtschafteten Lagen weltweit. Die Weinbergverlagerung nach oben hin geschah vor allem der von Franz Haas favorisierten Pinot-Nero-Trauben, die Hitze nicht gut vertragen und laut dem Winzer kühlere und luftigere Regionen für eine möglichst lange Reifungsphase bedürfen.

Bewirtschaftet werden die Weinberge der Haas-Familie in naturnaher, nachhaltiger Weise ohne Zertifizierung. Die Winzer machen sich zuweilen darüber Lustig, dass ihre Weinberge wie vernachlässigt aussehen, denn hier schießt hohes Gras zwischen den Rebstöcken hervor und wilde Blümchen und 'Unkraut' finden hier ihren Weg an die Oberfläche. Dabei soll die natürliche Biodiversität nicht nur den Insekten, sondern auch den Reben selbst helfen, gesund zu bleiben. Hohe Anforderung an die Bearbeitung und Pflege stellen hingegen die Hoch- und Steillagen. Die hier wachsenden Pinot Neros bringen ganz besondere, mitunter sehr eigenwillige Weintrauben hervor, die dem Winzer besondere önologische Kenntnisse und ein gutes Gespür abverlangen. 

Die Entscheidung, auf Hochlagen zu gehen, war mit der Entscheidung verbunden, Experimente mit neuen Klonen zu machen. Obwohl der Augapfel des letzten Winzers aus der Franz-Haas-Dynastie ausschließlich auf den Pinots lag, baut das Weingut viele andere Rebsorten an, worunter auch der Pinot Blanco (Weißburgunder), Merlot, Petit Verdot, Cabernet Sauvignon, Pinot Grigio, Moscato Rosa und die autochthone Tiroler Rebsorte Lagrein zu finden sind. All diese Sorten profitieren von den teils sehr unterschiedlichen klimatischen als auch geologischen Bedingungen der verschiedenen Parzellen, deren Böden mal kalkhaltig, mal aus Tonerde oder porphyrischem Sand bestehen. 

Qualitätsoptimierung mit Experimentierfreudigkeit koppeln

Stilistik, önologisches Können, Eleganz und Charakteristik – das ist, wofür die Weinkellerei Haas stehen möchte und tatsächlich auch einsteht. Der Mutter Natur wird bei der Weinherstellung viel Raum gegeben, so zum Beispiel gären die Rotweine auf wilden Hefen. Doch Franz Haas wäre nicht der hocherfolgreiche Winzer gewesen, wenn er nicht auch eine geradezu künstlerisch-experimentelle Ader gehabt hätte, die ihn immer wieder in neue Gefilde der Weinbereitung führte. Zu erwähnen ist beispielsweise sein Experiment mit den Weinverschlüssen, bei dem dieselbe Weinsorte vom gleichen Fass in mal verkorkte, mal in verschraubte Flaschen umgefüllt wurde und von Testern in Blindverkostung geprüft wurde. Das Ergebnis verblüffte die Teilnehmer, wobei immer wieder betont wurde, dass die Weine durch den jeweiligen Verschluss nicht schlechter oder besser schmeckten, sondern erst einmal "anders" waren. So zum Beispiel war der unter Schraubverschluss getestete Pinot Bianco 2010 fruchtige, frische und mit einer gewissen 'metallischen' Note charakterisierte Weine. Korkverschlossene Weißburgunder hingegen fielen im Geschmack reifer aus und verfügten über eine größere Tiefe in der Nase. 

Die Franz-Dynastie der Haas-Winzer

Man kann es als Spleen, als tiefsitzendes Traditionsbewusstsein oder als eine Art Glücksbringer bezeichnen, dass die Familie Haas ihre erstgeborenen Söhne immer auf den Namen Franziskus – Franz – tauft. Ihnen obliegt es auch, das Weingut aus der Hand ihrer Väter zu übernehmen. Dabei kann man nicht umhin, an eine fast schon königliche Dynastie von Winzern zu denken. Hinter jedem Franziskus Haas stehen eine starke Winzerfamilie und ein eingespieltes Team an Mitarbeitern, das mittlerweile an die 30 Personen angewachsen ist. 

1880 wurde das Südtiroler Vorzeigeweingut von Franziskus Haas gegründet, den man heute wohl Franz I. nennen müsste. Es dauerte allerdings noch weitere fünf Generationen, bis sein Ururenkel den richtigen Schritt zum Vermarkten der Weine machte und sie als Fassweine an Weinhändler außerhalb der Tiroler Grenzen verkaufte. 

Turbulent wiederum war die Zeit von Franz Haas VI., der als gerade mal 17-jähriger in einen Erbrechtsstreit mit seinem Onkel geriet und die Zukunft des Weinguts unter der Leitung der Franzen-Dynastie auf Messerschneide stand. Damit die Weine nicht an den Onkel fielen, arbeiteten die Haas mit Tricks. So wurde die neu gebaute Kellerei – die immer noch existiert – als Stall getarnt und unter diesem Deckmantel heimlich produzierten Weine an einen befreundeten Händler als Fassweine verkauft. 

Franz Haas VI. war ein traditionsbewusster Südtiroler, der – so beschreibt ihn die Familie heute –nicht besonders inspiriert, vielmehr auf Konstanz, Sicherheit, genaue Berechnungen und langzeitige Planung fixiert war. Ganz anders geriet hingegen sein experimentierfreudiger, mit Leidenschaft an die Weinherstellung herangehender Erstgeborener, der den Betrieb erst 1986 übernehmen konnte und in der Zwischenzeit des Öfteren im Konflikt mit seinem Vater lag. 

Franz Haas VII. wurde ein unkonventioneller, vom Pinot Nero besessener und mit hervorragendem Weingespür ausgestatteter Önologe, dem sich heute der besondere Ruf des Weinguts verdankt. Ihm zur Seite stand von Anfang an seine Ehefrau Maria Luisa Manna. Ihre Aufgabe innerhalb des Weingutbetriebs fiel auf die Vermarktungsstrategien und den Vertrieb. Und so ist es ihr zu verdanken, dass die Haas-Weine auf dem italienischen bzw. italienischsprachigen Markt bereits in den 1990er Jahre Beachtung fanden, wohingegen sich ganz Südtirol auf den deutschen Markt konzentrierte. 

Voller Zuversicht in Bezug auf seine Weinexperimente war Franz Haas noch als er meinte, "[…] mein Arzt sagt, dass ich mehr als 100 Jahre alt werde, demzufolge liegen noch einige Versuche vor mir!" Doch leider täuschen sich Ärzte und Franz VII. waren nur 68 Lebensjahre geschenkt worden. Er verstarb 2022 unerwartet an einem Herzinfarkt in einem Skilift als er mit seinem Sohn Skifahren war. Fast unvorbereitet musste sein Erstgeborener, Franz VIII., zusammen mit seiner Schwester Sofia die Führung des Weinguts übernehmen. So richtig unvorbereitet ist in so einer Winzerdynastie natürlich niemand, doch der plötzliche Tod des genialen Pinot-Nero-Winzers riss eine große Lücke in der Weinlandschaft Südtirols. Wer an die Spitze des Weinguts tritt, ist 2023 noch nicht in Stein gemeißelt. 

Etiketten, die mehr sind als Flaschenkennzeichnung

Wer sich in Weingeschäften oder in Restaurants in den Weinregalen umschaut, dem werden die Weinflaschen von Franz Haas sofort ins Auge fallen. Vor allem die Reihe "Pinot Nero Schweizer". Seit den späten 1980er Jahren wird sie von einem bekannten italienischen Künstler designt. Die Rede ist von Riccardo Schweizer, dem 1925 bei Trentino geborenen Maler, Architekten, Designer und Fotografen. Schweizers künstlerisches Werk steht in großer Nähe zu seinen Kollegen Chagall, Picasso, Èluard und Le Corbusier, die er bei seinen Aufenthalten in der Provence kennenlernte. Seine Weinetiketten für die Haas-Familie, die teilweise an Mirós Bilder erinnern, sind durch ihre lebensbejahenden Farben, starke Farbakzente und dynamische Formen unverwechselbare Eyecatcher. Riccardo Schweizer, selbst ein großer Fan der Haas-Weine, schenkte seine Entwürfe Maria Luisa Manna. Sie war es, die die Zeichnungen Franz VII. als gutes Omen bei seiner Übernahme des Weinguts schenkte. Franz Haas VII. wählte sie  für seinen ersten legendären Pinot-Nero-Jahrgang 1987 (1990 vermarktet) aus und nannte ihn dem Künstler zu Ehre "Pinot Nero Schweizer". Mit dem "Schweizer" entstand eine neue Selektion an Spitzenweinen, die ausschließlich in den besten Weinjahren produziert werden und bis heute das Beste aus dem Hause Haas kennzeichnen.

Das Portfolio der "Weine mit Seele"

Das Portfolio des Franz-Haas-Weinguts ist mit insgesamt 20 verschiedenen Weinsorten opulent. Aber auch hier gibt es herausragende Flaggschiffe und Insiderempfehlungen, die aus dem Angebot an Roten, Weißen und Rosés herausstechen. Das Weingut produziert sogar hervorragende Sekte wie den reinrassigen Pas Dosè, einen Sekt aus Pinot Nero, und Grappas wie den besonderen Grappa di Moscato Rosa. 

Als die Flaggschiffserie des Weinhauses Haas gelten die künstlerisch designten "Schweizer". Ein hervorragender Insidertipp ist die weiße Cuvée Manna, die Franz VII. nach seiner Ehefrau benannte. Aber der echte König unter all den Haas-Prinzen und Prinzessinnen ist sicherlich der Pònkler Pinot Nero aus Höhenlagen von 800 m. ü. M. 2021 kürte das Fachmagazin Falstaff diesen edlen Tropfen zum besten Wein aus Südtirol. In ihm vereinen sich auf herausragende Weise die Würze der alpinen Luft, Aromen von roten Früchten und Beeren mit einer tiefen Struktur, die schöne Säure mit samtigen Tanninen versöhnt und einem erfüllten Gaumen erzeugt. Francesco Arrigoni, ein bekannter Weinkritiker, sprach vom "Wein mit einer Seele" und dem gibt es eigentlich auch nichts mehr hinzuzufügen. 

 

Franz Haas 


Gründungsjahr: 1880
Eigentümer: Familie Haas
Önologe: Franz Haas
Jahresproduktion: ca. 300.000 Flaschen
Rebfläche: ca. 60 Hektar in naturnahem Anbau


Notabene: Das Weingut selbst ist wohltuend unaufgeregt, umso mehr kann man sich auf die herausragenden Weine konzentrieren. Franz Haas bietet sowohl Degustationen in seinem Wein-Shop an als auch Führungen durch das Weingut auf Nachfrage.