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Frescobaldi - Gorgona

Frescobaldi-Gorgona – Ein Wein mit außergewöhnlicher Geschichte

Was hat die letzte verbliebene Gefängnisinsel Europas mit dem altehrwürdigen Florentiner Adelsgeschlecht der Frescobaldi und deren 700-jähriger Weinbautradition zu tun? Hier ist die Geschichte, die dahinter steckt: Die Insel Gorgona ist die nördlichste Insel des Toskanischen Archipels. Sie liegt etwa 35 Kilometer vor der Küste Livornos im Mittelmeer. Gorgona ist etwa zwei Kilometer lang und nur etwas mehr als eineinhalb Kilometer breit. Die mit Macchia bewachsenen schroffen Berge erheben sich bis zu 254 Meter aus dem Meer. Einen wirklichen Hafen gibt es nicht. Lediglich eine kleine Mole, an der nur bei glatter See festgemacht werden kann. Schon seit dem 4. Jahrhundert lebten Mönche und Eremiten auf der Insel.

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Die Benediktiner waren dort und errichteten ein Kloster, das später an die Kartäuser ging. Diese verließen im Jahre 1425 die Insel. Im Jahre 1869 errichtete das damalige Königreich Italien in der ehemaligen Klosteranlage auf Gorgona eine landwirtschaftliche Strafkolonie, die Gorgona agricola colonia penale. Die Insassen mussten die Böden bewirtschaften, kümmerten sich um Viehhaltung und Hofwirtschaft und – sie bauten Wein an.

Wo kommen nun die Frecobaldi ins Spiel, die Besitzer so weltberühmter Weingüter wie Ornellaia, Masseto, Luce delle Vite und vielen weiteren mehr? Der Ahnenstamm der Frescobaldi reicht eintausend Jahre zurück. Seit Generationen sind die Geschicke der Familie eng mit der Geschichte Florenz und der Toskana verbunden. Sie waren einflussreiche Bankiers und Kunstmäzen. Im Weinbau ist die Familie Frescobaldi seit mehr als 700 Jahren aktiv. Wie kommt es, dass der Marchese Lamberto Frescobaldi, der derzeitige Patron und Familienvorstand, auf der Gefängnisinsel Gorgona einen Weinberg beackert? Nun, nachdem die Gefängnisdirektorin Maria Grazia Giampiccolo vor einigen Jahren die Leitung der Haftanstalt auf der Insel Gorgona übernommen hatte, schrieb sie eine ganze Reihe Weinproduzenten und Weingüter in Italien an, ob sie bereit wären, in den Weinberg, der gerade einmal einen Hektar groß ist, zu investieren. Ludovico Frescobaldi erhielt den Zuschlag. Später erfuhr er, dass er der einzige war, der sich gemeldet hatte…

Isolation kommt vom insula 

Der Weinberg liegt an einer der wenigen windgeschützten Plätze der Insel. Von den Hängen blickt man hinunter aufs Meer. Seit 1999 wachsen hier Vermentino- und Ansonica-Reben, die durch die Gefangenen bewirtschaftet werden. Im Jahre 2005 ließ Ludovico Frescobaldi einen zweiten Hektar mit Reben der Sorten Sangiovese und Vermentino Nero bepflanzen. Das Klima ist perfekt, die Reben sind gut durchlüftet und bekommen von der Meeresbrise genügend Feuchtigkeit. Die Gefangenen bestellen den Weinberg, kümmern sich um die Lese und bewirtschaften einen eigenen Weinkeller. Der Weinberg liefert jährlich nur etwa 3.000 Flaschen des mittlerweile stark gefragten Gorgona. Ludovico Frescobaldi liefert mit seinem Team Know-How und unterrichtet die Insassen im Umgang mit den Reben. Jedes Jahr übernimmt er einen Teil der entlassenen Häftlinge auf einem seiner Güter. Die Gefangenen auf Gorgona selbst kommen allerdings nicht in den Genuss, den Wein probieren zu dürfen. Die strikte Gefängnisregel lässt keinen Tropfen Alkohol zu – mit einer Ausnahme: Dem Kellermeister ist es gestattet, in kleinen Mengen während der Weinbereitung zu probieren.

Der Wein des (vermeintlichen) Gucchi-Killers

Und hier kommt die nächste spannende Geschichte des Frescobaldi – Gorgona: In den Jahren 2013 bis 2015 war Benedetto Ceraulo der Kellermeister auf Gorgona. Ceraulo, ein einfacher Arbeiter aus Sizilien, soll im Jahre 1995 den Modemogul Mauricio Gucci vor seiner Haustür erschossen haben, als dieser sich auf den Weg ins Büro begeben wollte. Guccis Ex-Frau Patrizia Reggiani soll Ceraulo 500 Millionen Lire dafür geboten haben, ihren Ex-Mann zu erschießen, was für einen Gelegenheitsarbeiter aus Sizilien eine Menge Geld war. Sowohl Ceraulo, als auch Reggiani wurden zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Ceraulo kam wegen guter Führung nach einigen Jahren nach Gorgona (eine Voraussetzung für das Privileg, die Haftstrafe auf der Insel absitzen, beziehungsweise abarbeiten zu dürfen). Ludovico Frescobaldi erkannte das Potenzial Ceraulos, dessen Großvater Landwirt und Weinbauer auf Sizilien war, und machte ihn zu seinem Kellermeister. Übrigens sind beide (Ceraulo und Reggiani) mittlerweile wieder frei.

Der weiße Gorgona – ein gefragter Wein

Der Weltstar Andrea Bocelli schwärmt über den weißen Gorgona: Der Wein sei „die Perle der Aphrodite, leuchtend und verführerisch“. Das 2018er Etikett ziert eine topographische Karte der Insel aus dem Jahre 1851. Sie zeigt die vielen Calas, die Buchten und wie die Berge steil ins Meer abfallen. Diese Eigenarten der Insel und das Terroir geben dem Wein seinen Ausdruck und seinen Charakter – fruchtig und ein wenig salzig. Im Glas leuchtet der Wein strohgelb. Der Duft nach Macchia versetzt einen sofort in die mediterrane Landschaft. Kräuternoten wie Rosmarin, Thymian und Strohblumen kommen hinzu… und erst dann die reifen tropischen Früchte. Im Abgang Ginster und Zitruszeste. Die Gefangenen haben hier ganze Arbeit geleistet und können stolz auf sich sein. Der Wein steht mittlerweile auf der Karte eines drei Sterne Restaurants in Florenz.

 

Frescobaldi – Gorgona

Koordinaten: 43° 25′ 44″ N, 9° 53′ 56″ O

Notabene: Die im südlichen Mittelmeerraum beheimateten Korallenmöven haben auf Gorgona ihren nördlichsten Brutplatz. Mehrere Veranstalter bieten in den Sommermonaten nach Voranmeldung Überfahrten und Führungen nach Gorgona an – eine ungewöhnliche Weinreise.