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Bartolo Mascarello

Bartolo Mascarello – Die Königin von Barolo und der „Letzte Mohikaner“ 

Die Cantina Bartolo Mascarello ist nicht bloß eine der vielen nach einem grandiosen Winzer benannten Tenute. „Bartolo Mascarello“ ist – man kann es gar nicht anders sagen – eine doppelte Legende, die auf sehr realen Erfolgen fußt. Mehr noch, die Erfolgsgeschichte der Mascarello geht mit der Tochter des 2005 verstorbenen legendären Vaters nahtlos, vor allem aber kompromisslos weiter. Bartolo Mascarello ist nicht nur in der Langhe und in dem kleinen Ort Barolo eine berühmt-berüchtigt. Mittlerweile hat sich der Ruf der Cantina unter den Weinkennern, die nach Echtheit und Tradition jenseits der „Internationalität“ der Weine suchen, so verbreitet, dass man den Weinanfragen nicht mehr nachkommen kann – und nicht will. Bartolo Mascarello war ein steinharter „Traditionalist“, der es niemals zugelassen hätte, die Produktion zu erweitern, nur weil es mehr Moneten bringt. Er lehnte sowohl Berlusconi für Italien als auch die französischen Ausbaumethoden für die Barolo-Produktion radikal ab und brachte seine Ansichten auf selbstgemalten Etiketten deutlich zum Ausdruck. Vielleicht sind seine Weinetiketten mittlerweile die berühmtesten der Welt… doch hinter ihnen steht das eigentlich ‚Unerhörte‘: die Wucht und die Qualität seiner ur-klassischen Barolo-Weine. Für die kleinste Produktionsquantität und höchste Produktionsqualität wurde und wird in der Cantina Bartolo Mascarello alles gegeben. Man kann ohne zu übertreiben sagen, das Ziel der Mascarellos ist, den besten Barolo unter den (klassischen) Baroli zu kreieren, und wenn nicht „den Besten“, so doch einen unvergleichlichen… Und was soll man sagen – es gelingt!

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Weinlagen, Minimalisums und die Liebe zu Tradition

Die Cantina Bartolo Mascarello liegt am Rande des kleinen mittelalterlichen Ortes Barolo, circa 13 Kilometer südwestlich von Alba und 93 Kilometer von Savona und damit vom Golf von Genua entfernt. Die Säulen des Erfolgs der Mascarello-Cantina sind vier: die herausragenden Weinberglagen, die perfektionierte – und man muss schon sagen: sehr spezielle – Vinifizierung und penibelste Lese und Auslese, sowie der unerbittliche Traditionalismus, man es auch „Minimalismus“ nennen. Die Weinberge, obwohl allesamt in der Ausdehnung klein, zählen zu den Top Weinlagen für Nebbiolo. Namentlich sind es drei in Barolo: Cannubi (1,5 Hektar), San Lorenzo (0,3 Hektar) und Rué (0,5 Hektar) sowie Rocche di Annunziata (1,2 Hektar) in La Morra. Anders als die meisten Winzer – erst recht heutzutage – lehnte der Weinmacher und ehemalige Besitzer der Cantina, Barolo Mascarello, die Lagen-betonte Vinifizierung ab, auch wenn seine herausragenden Weinberge geradezu dafür gemacht zu sein scheinen. Bestockt sind die Weinberge vorrangig mit den Nebbiolo-Reben, gefolgt von Dolcetto, Barbera und Freisa. Angebaut wird hier naturnah ohne Pestizide und Herbizide. Eine strenge Selektion der Trauben erfolgt bereits bei der Lese, die vom altangelernten Team vorgenommen wird. 

Sofort in den Weinkeller gebracht, geht es dort mit der Verarbeitung der Trauben in „old-school“-Manier weiter. Für viele schier unerhört, denn die Weintrauben der besten Lagen werden zuerst miteinander durchmischt, bevor es anschließend mit der Fermentation in großen Zementtanks weitergeht. Das macht heutzutage kaum jemand mehr so! Am Anfang geschieht alles von selbst: Die Gärprozesse werden ausschließlich auf natürlichen, eigenen Hefen spontan eingeleitet. Die Weine vergären so lange, so lange es eben nötig ist, um ihre Qualität auszuarbeiten. Wer glaubt, dass es bei dem Mascarello Barolo Jahrgang 2010 mit seinen 56 Gärtagen sagenhaft lange dauerte, der täuscht sich. Die Mascarello-Weine gären bis zu 90 Tage in den Zementtanks! Danach werden die Weine in großen slawonischen Eichenfässern, den sogenannten Botti, bis zu 36 Monate lang ausgebaut. Das Eichenholz ist zwar gealtert aber immer noch vergleichsweise jung und ungebraucht, so dass die Fässer selbst möglichst wenig zum Weinausdruck und seinen Tanninen beitragen können. Der Wein – so die Hausphilosophie – hat seine Tannine aus der Traubenhaut zu beziehen. 

Die Cantina Bartolo Mascarello ist dafür berühmt-berüchtigt, dass hier kompromisslos um den Erhalt der eigenständigen Weinaromen und der Geschmacksentwicklung ohne ‚hölzerne‘ Beimischungen geht. Beinahe schon längst vergessene Vinifizierungsmethoden sind gerade für den Barolo-Wein hier in Stein gemeißelt und Gesetz.

„Der letzte Mohikaner“ und die nächste Generation

Die Cantina Mascarello ist ein altes Generationsweingut, das bereits von den Ur-Großeltern des Namensgebers, Bartolo Mascarello, im frühen 19. Jahrhundert betrieben wurde. Bartolo Mascarello lernte von klein auf das Winzern auf dem Weingut seiner Vorfahren und sog alles in sich auf, was es über Weine und die Region zu lernen gab. Bartolo erwähnte häufig, dass sein gesamtes Winzerwissen von seinem Vater Giulio Mascarello stamme, der es wiederum von seinem Vater, Bartolomeo Mascarello, lernte und so weiter.

Bereits der Vater Giulio war eine eigensinnige Persönlichkeit, die ihre eigenen Wege ging und den Grundstein der heutigen Cantina Mascarello damit legte, als er beschloss, aus der „Cantina Sociale di Barolo“ auszutreten, weil ihm die Situation in der sich die Winzergenossenschaft nach dem Ersten Weltkrieg befand, nicht gefiel. 1918 ist das Stichjahr als Giulio sein eigener Weinhersteller wurde. Er hatte es nicht eilig – etwas, was später auch seinen Sohn auszeichnen wird – und entwickelte seine Weine Schritt für Schritt für eine kleine aber treue und stetig wachsende Kundschaft. Die einzige echte Neuerung dieser Zeit war wahrscheinlich die Abfüllung seiner Weine nicht nur in das ansonsten übliche Demijohn-Volumenmaß der Glasballons, sondern in die standardisierten Glasflaschen. Sein Sohn Bartolo übernahm das Weingut schließlich vollständig in den 1960er Jahren und machte fast alles so weiter wie sein Vater, nur vielleicht eine Spur besser.

„Der letzte Mohikaner“ nannte sich Bartolo Mascarello gerne selbst, was sofort aufgegriffen wurde, vor allem wegen seiner radikalen Einstellung zum Altbewerten, zum „Zurück-zu-den-Wurzeln“, und seiner Ablehnung all dessen, was dem guten, traditionsbewehrten Geschmack zuwiderlief (nicht nur beim Wein). Der „Mohikaner“ aus dem Piemont war eine kämpferische Seele, die sich bereits im jugendlichen Alter zeigte, als er sich während des Zweiten Weltkriegs den Partisanen anschloss. Jahrzehnte später sagte er Nein zu Barrique und all dem Hype, der in Italien und anderswo um die damals neue Vinifizierungsmethoden gemacht wurde. Damals, in den 1970er und 1980er Jahren, als amerikanische Kritiker-Gurus, allen voran Robert Parker, einen bestimmten Weingeschmack favorisierten und diesen via extensive Kritik in Italien lancierten, sprachen sich nur wenige gegen diesen Trend aus, der viel mehr Kritikerlob und natürlich auch Geld versprach. Neben Bartolo Mascarello waren es nur Teobaldo Cappellano und Gouseppe Rinaldi, die einen ursprünglichen, minimalistischen Weg gingen, und die Fahne der Tradition weit über die Grenzen des eigenen Hofs sichtbar hissten. Der „echte Barolo“ hatte in großen, neutralen Eichenfässern zu altern und hatte nicht nach Vanille oder Schokolade zu riechen oder zu schmecken – basta! Seine Ansichten machten Mascarello zu einem Außenseiter und wurden anfänglich stark kritisiert, zumal die damaligen „Revolutionäre“ mit ihren aus Frankreich mitgebrachten Ideen auch im Piemont immer mehr an Zuspruch fanden. Bartolo Mascarello machte die Barrique-Revolution hingegen stur und gerne auch provokativ, was er auf selbstgemalten Etiketten kundtat, die übrigens mittlerweile zum begehrten Sammlergut zählen. Das berühmteste Etikett ist sicherlich „No Barrique - No Berlusconi“, wo er gewissermaßen den Einsatz von neuen Vinifizierungsverfahren polemisierte und mit falscher Politik gleichschaltete. In einem Interview äußerte sich Bartolo dazu schlicht: „No Barrique, weil ich gegen den Gebrauch von Barrique in der Barolo-Herstellung bin. Ich bin ein traditioneller Produzent. No Berlusconi, weil ich diese Art der Politik nicht mag.“ 

Mascarellos Barolo-Weine haben schon immer eine bestimmte Gruppe an Weinkennern angesprochen, die zwar klein aber gleichzeitig auch treu war und auf den traditionellen Stil und die Qualität seiner Weine schwor. In den 2000er Jahren wendete sich das Weinblatt und nun begannen einige Kritikerorgane von einer Abkehrt vom „amerikanischen Geschmack“ in der italienischen Weinwelt zu sprechen. Vorreiter hierfür war sicherlich die berühmtgewordene „Slow Food“-Bewegung. In diesem neuen Geschmacksklima waren Mascarellos traditionsbewusste Weine plötzlich ein Hit und ernteten zunehmend mehr Beifall seitens renommierter Weinkenner. 

Bartolo Mascarello, Jahrgang 1927, ist 2005 an einer langwierigen Krankheit, die ihn schließlich an einen Rollstuhl fesselte, verstorben. Bis zum Schluss war er als „Herausgeber“ markanter Sprüche und Etikettenmaler tätig. Beides erreichte wie seine Weine einen legendären Ruf. Zu seinen letzten Äußerungen zählt folgende Aussage, die letztendlich alles über seine Prinzipien und seine immerwährende Liebe zum traditionellen Wein verrät: „Als die Zeit kam, um die Eichenfässer auszutauschen, habe ich dafür gesorgt, dass der Weinkeller bis zur letzten Ecke [mit großen Eichenfässern] ausgefüllt ist, so dass wenn ich tot bin, dort kein Platz für Barriques sein wird.“

Auch nach seinem Ableben wird die nach ihm benannte Cantina ganz in seinem Sinne weitergeführt. Die Zügel in der Hand hält stramm nicht erst seit dem Tod des Mohikaners seine Tochter, Maria-Teresa Mascarello, die ganz der Familientradition entsprechend alles von ihrem Vater gelernt hat. Dabei ist sie studierte Germanistin und Romanistin, auch Malerin – und fast nebenbei auch eine geniale Winzerin, die vielleicht die Weinphilosophie ihres Vaters sogar noch ein bisschen perfektioniert.

Bezeichnend für diese Kontinuität sind im übertragenen Sinne jene Etiketten, die Maria-Teresa in einer Schublade fand. Als ihr Vater mit 70 Jahren und aufgrund seiner Erkrankung nicht mehr im Weinberg tätig sein konnte, hat er angefangen, Weinetiketten zu malen. An die 500 Stück fand seine Tochter nach seinem Tod. Jedes Jahr wählt sie einige davon aus, lässt sie auf selbstklebende Etiketten reproduzieren und beklebt die Weinflaschen von Hand, so wie ihr Vater es auch getan hat… Obwohl 2008 eine neue Etikettiermaschine für das Weingut gekauft wurde. 

Auch noch etwas ist weiterhin unverändert: Die Cantina Bartolo Mascarello betreibt keine Werbung, keine Selbstdarstellung, keine Auftritte auf Weinmessen und keine Webseite. Die Mascarellos macht ihre Weine im Stillen – und die Welt kommt zu ihnen zu Besuch. 

Portfolio mit ausverkauften Weinen 

Die Jahresproduktion der Cantina Bartolo Mascarello liegt zumeist unter 35.000 Flaschen und ist mittlerweile so rationiert, dass die Weingeschäfte, die zur Kundschaft zählen, nur kleine Margen bekommen. Wer vor Ort einkauft und eine „Kiste“ (die es im Übrigen nicht gibt) kaufen möchte, wird häufig genug auf wenige Flaschen „heruntergehandelt“, damit es für andere Kunden auch noch etwas übrig bleibt. Auch die Flaschen, die die Weinshops erreichen, sind häufig schon in wenigen Tagen ausverkauft. Die Nachfrage ist gestiegen, doch Maria-Teresa Mascarello arbeitet strickt nach der Philosophie ihres Vaters. Es wird nichts vergrößert und die Qualität geht immer vor. Im Portfolio hat sich also nichts verändert: Den größten Batzen bilden die Barolo-Weine (ca. 20.000 Flaschen) gefolgt von Barbera d'Alba, Dolcetto d'Alba, Langhe Freisa und Langhe Nebbiolo – den Bartolo noch in der alten Schreibweise mit nur einem „b“ etikettierte. Während der Mascarello Nebiolo Langhe aus den Trauben der jüngeren Rebstöcke und den zweitrangigen Trauben der alten Reben gemacht wird, stellt die rote Freisa-Traube eine andere Spezialität dar: Hierbei handelt es sich um eine alte piemontesische Traube, die sich durch ihre relative Tanninhaltigkeit auszeichnet. Die Cantina Mascarello produziert daraus einen leicht moussierenden Roten, der fruchtbetont und von angenehmer Süße ist.  

Wie soll man diese Weine beschreiben, das fragen sich viele Weinkritiker, denn die Weine der Cantina Mascarello sind wirklich speziell. Außerordentlich hohe Qualität ist hier an eine ungewöhnliche Selbständigkeit und Identität gekoppelt. Ja, man kann sagen, in ihnen lebt der Geist jener längst vergangenen Epochen weiter, als die Piemonteser Weine noch nicht „international“ waren und keine Holznoten favorisierten. Ist man das von den Barolo-Weinen gewöhnt, dann wird der Mascarello-Wein eine echte Überraschung und vielleicht auch eine Offenbarung sein.  

Maria-Teresa Mascarello hat eine Warteliste von 300 Privatpersonen und einigen Weinimporteuren, die sie mit ihren Weinen versorgen muss. Sie alle warten geduldig und geben sich mit kleinsten Mengen zufrieden – Hauptsache, man bekommt überhaupt etwas. Auch wenn man sich häufiger mehr wünscht, am Ende hoffen wir dennoch, dass sich bei der Cantina Bartolo Mascarello noch ewig nichts ändern wird. 

 

Bartolo Mascarello

Gründungsjahr: frühes 19. Jahrhundert
Eigentümer: Maria-Teresa Mascarello
Önologin: Maria-Teresa Mascarello
Jahresproduktion: ca. 30.000 bis 35.000 Flaschen
Rebfläche: 3,5 Hektar in naturnahem Anbau

Notabene: Die Cantina Bartolo Mascarello kann man eigentlich nur persönlich erreichen. Keine Internetpräsentation, kein Fax, zwar eine Festnetztelefonnummer, diese aber nicht wirklich „besetzt“. Und dennoch, eine Besichtigung ist nachdrücklich nur mit Voranmeldung möglich. Maria-Teresa Mascarello persönlich kennenzulernen ist einfach eine Wucht und sollte jede Mühe entschädigen, die man investiert, um die winzige Cantina zu betreten. Einige gehen persönlich klingeln, um einen Termin auszumachen… und werden dafür belohnt. 

Und natürlich, wie sollte es auch anders sein, paart sich auch hier Kunst mit Wein, denn Maria-Teresa betreibt nicht nur die Kunst der Vinifizierung, sondern auch die des Malens. So dient das winzige Weingut gleichzeitig als Atelier, das quasi mitbesichtig wird. Die Führung übernimmt Maria-Teresa gerne auch auf Deutsch, das sie perfekt beherrscht.