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Costanti

Conti Costanti – Der Brunello, zu dem man niemals Nein sagen sollte! 

Scheinbar führen alle Wege früher oder später nach Montalcino, in die kleine mittelalterliche Gemeinde mit etruskischen Wurzeln und dem ganz, ganz großen Wein, dem Brunello di Montalcino. Conti Costanti steht zusammen mit der berühmten Winzerfamilie Biondi Santi als Zweiter an der Spitze jener Vorzeigewinzer, die die Brunelli weltbekannt machten, wenn nicht gar erfunden haben. Tradition ist unerlässlich, will man in der Toskana charakterstarke Terroirweine mit dem gewissen Etwas machen. Doch Tradition alleine ist ohne ein gesundes Quäntchen an Modernität, Innovation und Experimentierfreude nicht ausreichend, um Top-Weine zu produzieren, die eine Vorreiterfunktion übernehmen. In diesem Zusammenhang kann man sagen, dass die Brunello-Weine eine bewegte Geschichte hinter sich haben. Als sie durch Winzer wie Biondi Santi und Conti Costanti wiederentdeckt – oder sollte man besser sagen: neu kreiert? – und einem größeren Kreis von Weinenthusiasten im späten 19. Jahrhundert und dann in den 1970er Jahren vorgestellt wurden, waren sie zwar "traditionell" und dennoch nicht die gleichen, die ihre Vorväter tranken. Die grandiose Aufnahme der ersten Brunelli in den Kreis der weltweit besten Weine führte gleichwohl zu einer hektischen Festlegung dessen, was ein "echter Brunello" zu sein hatte. Die strengen DOC- und DOCG-Regeln machten den Brunello zu einem tanninschweren, teils sehr schwierigen Wein, der auf die Ewigkeit hin ausgebaut wurde. Das änderte sich allmählich, als der Hype um die Brunelli sich legte und Winzer immer mehr Mut zu einer gesunden Normalität fanden, die an die Tradition anknüpfte, aber eben auch die Trinkbarkeit des Weins berücksichtigte. Diese Weine kreiert allen voran Conti Costanti. Seine Weine gehen weg von Barrique und Toast- oder Holzaromen. Große Bottiche und Eichenfässer finden nun erneute (Wieder-) Verwendung. Die Weine von Conti Constanti sind tief und opulent, haben gleichwohl eine geschmeidige Textur, gute Frische und Komplexität, sie sind gleichwohl aber mittlerweile schneller trinkbar. Dennoch, ein Brunello ist eben ein Wein, der seine Zeit braucht, um das volle Repertoire seines Könnens zu präsentieren. Am besten ist es, man kauft mindestens zwei Flaschen davon: eine für jetzt und die andere für das "Später".

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Conti Costanti: berühmt aus Tradition

Das zum Weingut Conti Costanti dazugehörige Land erstreckt sich über 25 Hektar mit besten Weinlagen im Südosten von Montalcino. Die Weinberge beanspruchen zurzeit an die 14 Hektar auf den Parzellen Paretaio, Baiocco, Calbello und Casattion, der Rest besteht aus Olivenhainen, Naturflächen und Saatland. Die Böden der auf circa 310 bis 440 m. ü. M. liegenden Parzellen sind typisch für diese Gegend, die man als Galestro-Böden bezeichnet. Sie sind nährstoffarme Böden, die aus Kalkmergel, Schiefer und Schluff bestehen.

Das Mikroklima der Montalcino-Appellation zeichnet  sich durch warme bis heiße Sommer aber auch durch gute Durchlüftung, die die für große Weine notwendigen Temperaturunterschiede von Tag und Nacht hervorbringt. Montalcino profitiert von dem ansonsten problematischen Klimawandel, der den hiesigen Winzern ausgeglichenere, trockenere Winter beschert und darüber hinaus eine größere Temperaturkonstanz mit sich bringt. 

In der Montalcino-Appellation gedeihen am besten die regionalen Sorten, allen voran die Sangiovese-Grosso-Varietät, die in Montalcino "Brunello" genannt wird und lange Zeit als eine eigenständige Sorte galt. Darüber hinaus bestockt das Weingut kleinere Parzellen von circa 3 Hektar mit Merlot und Cabernet Sauvignon. Die Weinstöcke sind sechs bis 30 Jahre alt und damit relativ jung. Bei Costanti beginnt alles mit Reduktion: die Bewirtschaftung der Weinberge ist zwar im Wesentlichen konventionell aber dennoch naturnah, gleichzeitig ist die Reduzierung der Erträge – wie so häufig – der Schlüssel zum hochqualitativen Weinerzeugnis aus besserem, intensiverem Traubenmaterial. Conti Costanti unterschreitet bei weitem das für die Appellation DOCG Montalcino erlaubten Ertragsmengen. 

Der Weinkeller ist, wie das gesamte Anwesen, in einem typisch toskanischen Traditionsgebäude aus Bruchstein untergebracht und verfügt über uralte Gewölbe, in denen die Weinfässer stimmungsvoll aufgereiht sind. Vergoren wird hier auf der Maische je nach Sorte und Jahrgang zwischen 14 und 21 Tage. Dafür stehen Edelstahltanks zur Verfügung. Der Brunello-Wein altert in den ersten 12 Monaten in 3,5 Hektolitern kleinen, neuen als auch alten Tonneaux aus französischer, genauer: aus den Allier-Wäldern kommender Eiche. Aus diesem Holz gemachte Fässer gelten als die Rolls-Royce unter den Weinfässern. Anschließend darf der Brunello weitere zwei Jahre in 30 Hektoliter großen Fässern aus slawonischer Eiche und einige wenige, insbesondere die Rosso-Weine dürfen in getoasteten bzw. neuen Barriques verbringen. Nach der Abfüllung erfolgt eine weitere, 12-monatige Reifung in der Flasche. Grundsätzlich ist Conti Costanti von dem Ausbau in kleinen Barriques mehr oder weniger abgekommen und setzt sie nur sparsam, vor allem für seine Rosso di Montalcino Weine, ein. Der Önologe des Weinguts bevorzugt tendenziell kürzere Zeiten auf Holz, eben auch seltener Barrique, wie insgesamt auch kürzere Alterungszeiten, diese dann aber in hervorragenden Fässern und bei längerer Flaschenreifung. 

Der Wein, der nach der Traube Brunello di Monatlcino genannt wird, ist regional ein Urgestein, doch wurde er erst in den 1970er und folgenden Jahren einer größeren, internationalen Kundschaft bekannt. In dieser Zeit begann nicht nur seine steile Karriere, sondern auch seine modeabhängigen Veränderungen und schließlich auch der Skandal um seine Zusammensetzung, der 2008 in die Weingeschichte unter den Namen "Brunellopoli" und "Brunellogate" eingegangen ist. Dabei ging es um das streng untersagte Vermischen des als Brunello etikettierten Weins mit anderen Weinsorten. Ein echter Brunello darf bis heute per Statuten ausschließlich aus Sangiovese-Grosso-Trauben von Montalcino hergestellt sein. Der Brunello-Weinskandal spülte die schon länger schwelenden Probleme um die Zusammensetzung des Weins an die Oberfläche der Öffentlichkeit. Dabei war der Brunello schon immer gewissen Geschmacksmoden unterworfen gewesen: Mochte man anfänglich 'holzlastige' Rotweine, wurde der Brunello entsprechend mindestens vier Jahre auf Holz, vor allem im Barrique ausgebaut. Heutzutage mag man es lieber etwas leichter, weniger tanninlastig, gleichwohl aber in den Nuancen komplexer. Und so änderte man die Vorschrift seines Ausbaus im Eichenfass auf zwei Jahre. Seit 1991 darf der Wein insgesamt vier Jahre altern, wovon drei Jahre auf Holz sein müssen. Gleichzeitig gab und gibt es den Rosso di Montalcino, der bereits nach einem Jahr Alterungsprozess den Weinkeller verlassen darf und somit die Light-Variante des Brunellos darstellt.

Bewegte Familiengeschichte der Costanti seit dem 15. Jahrhundert

Die mit dem vererbbaren Grafentitel ausgezeichnete Familie Costanti ist aufs engste mit der Weingeschichte des Ortes verbunden. Nur zwei ihrer Vorfahren – Crescenzio und Carlo Costanti – haben eine andere Richtung als die des Winzerdaseins eingeschlagen und sind als siegreiche Flottenkommandanten in die Geschichte der Republik Venedig eingegangen. 

Das Weingut Conti Costanti ist nach den bereits im frühen 15. Jahrhundert in Siena nachgewiesenen Patriziern benannt. In Montalcino ist das Erscheinen der Costanti für das Jahr 1555 beglaubigt. Ein Dokument weist sie zusammen mit weiteren 242 Familien als Flüchtlinge aus Siena aus, die von den Soldaten der florentinischen Guelfen flohen. In Montalcino hofften sie auf sichere Zuflucht und Unabhängigkeit von Florenz. Doch auch Montalcino musste sich alsbald dem übermächtigen Florenz unterwerfen. Dennoch blieben die Patrizier Costanti im Ort, wo sie recht bald großen Ländereien aufkaufen konnten. Die Dokumentlage legt es nahe, dass die Patrizierfamilie schon früh im Weingeschäft tätig war, vielleicht bereits in den 1550ern, spätestens jedoch im frühen 17. Jahrhundert. 

Die Grafen Costanti entwickelten geradezu eine echte Leidenschaft für die Reben und die Weinbereitung und haben sich früh als Kenner und Innovatoren auf diesem Gebiet hervorgetan. Hervorzuheben ist der Conte Crescenzio Costanti (nicht der gleichnamige Kommandant), der sogar Reisen nach Frankreich unternahm, um sich vor Ort über den hiesigen Weinbau zu informieren und in der speziellen Vinifizierung weiterzubilden. Ihm ist es zu verdanken, dass auf den Ländereien der Costanti nach speziellem Terroir gefahndet wurde, der große Weine, vergleichbar mit den französischen, hervorzubringen imstande wäre. Tatsächlich wurde Crescenzio fündig und stellte durch seine Weinproduktion die einstige Annahme, man könne in Montalcino Vino Nobile hervorbringen, unter Beweis. Bei den Rodungen und Bodenzubereitungen für die künftigen Weinberge stießen seine Arbeiter auf etruskische Überreste, was Crescenzio Costanti gleicherweise in den Bann der Archäologie zog und zum regionalen Pionier auf diesem Gebiet machte. Ihn begeisterte darüber hinaus die Vorstellung, seine Familie mache Weine auf der gleichen Scholle, wie die sagenumwobenen Etrusker es taten. 

Ein anderer Pionier aus der Grafenfamilie war Tito Costanti, der in die Weinchroniken von Montalcino eingegangen ist. Tito war es, der 1870 seinen Qualitätswein aus Montalcino einem breiteren Fachpublikum auf der Weinausstellung in Siena präsentierte. Diesem besonderen Wein gab er den schlichten Traubennamen: "Brunello"! Dabei gilt allgemein Clemente Santi bzw. sein Enkel, Ferruccio Biondi Santi, der Nachbar der Familie Costanti, als der 'Erfinder' des Brunello-Weins und das Datum 1888 als das Stichjahr seiner Bekanntwerdung: der ersten Flaschenabfüllung eines Brunello di Montalcino… Tito Costantis "Brunello" hingegen soll laut den Annalen der Familie 18 Jahre früher das Licht der Welt erblickt haben. Dieser Wein war ein bereits fünf Jahre lang gelagerter, 14 % Alkohol-mächtiger Wein, der alle Merkmale der später durch das DOCG-Brunello-Consorzio festgelegten Reglements für Brunello di Montalcino bereits in sich trug. 

Ein weiterer Meilenstein in der Ahnengalerie der Winzergrafen ist Emilio Costanti. Der Arzt vom Beruf und Winzer aus Berufung besaß die Fähigkeit, seine Weine auf die nächsthöhere Stufe zu stellen. Schon in den frühen 1960er Jahren soll sein Brunello einen phänomenalen Ruf genossen haben und nur als ein ganz besonders edler Tropfen exklusiv die Festessen des "Rotary Clubs" von Pescara begleitet haben. Nur ganz besondere Familienfreunde kamen darüber hinaus in den Genuss des Brunellos von Costanti. Emilio Costanti ist es zu verdanken, dass die Weine der nach seinen Vorfahren benannten Tenuta kommerziell vertrieben wurden, wobei das Kommerzielle nur in Anführungsstrichen zu verstehen ist. Mit steigender Nachfrage stieg auch die Produktion der Costanti-Weine, doch der Weinkeller entließ nie so viele Flaschen, als dass das Image des historischen Weinguts mit ihren exquisiten Weinen einen Einbruch erlitten hätte. Ganz im Gegenteil, die Winzer der Costanti sind in jeder neuen Generation darauf bedacht, ihre Weine zu perfektionieren – nicht zu kommerzialisieren. 

Da Emilio Costanti keine direkten Nachkommen hatte, gleichwohl aber darauf bedacht war, die familiäre Kontinuität der Winzergrafen aufrechtzuerhalten, fahndete er nach geeigneten Familienangehörigen. Die Suche brachte ihm zu dem einzigen noch lebenden Nachfahren der einstigen Sienaer Familie: zu Andrea Costanti, der ein studierter Geologe aber leider kein Winzer war. Doch der junge Absolvent der Universität von Siena nahm die Herausforderung an und wurde 1983 der Nachfolger Emilios und der Leiter des "Colle al Matrichese", wie der Weinkeller der Conti Costanti heißt. Andrea kann stolz sein auf die mittlerweile 500 Jahre alte Geschichte der Familie Conti Costanti als auch auf seine eigene Leistung, die ihn vom Geologen zu einem der geachtetsten Winzer der Toskana brachte. Übrigens, für Nachfolge aus dem gräflichen Winzergeschlecht ist bestens gesorgt.

Herausragendes Portfolio zu Top-Preisen für wahre Brunello-Schätze

Das Portfolio mit den Conti-Costanti-Etiketten ist erfreulicherweise sehr übersichtig und arbeitet stark auf eine Perfektion der einzelnen Weinsorten hin. Bisher dreht sich alles um die Sangiovese-Grosso-Varietät genannt "Brunello". Das absolute Flaggschiff des Weinkellers der Familie Costanti ist Conti Costanti Brunello di Montalcino DOCG und da aktuell der Jahrgang 2016. Dieser Brunello trägt stolze 99 Punkte, die ihm Kerin O'Keefe von "Wine Enthusiast" verliehen hat. Auch "Vinous" bekräftigt die hohe Punktzahl und bescheinigt dem Costanti-Brunello eine feine "Sinnlichkeit", die die "Seele erwärmt" (Eric Guido). Dieser Wein, so wie alle anderen Brunelli des Hauses Conti Costanti, hat das Potenzial auf mindestens 20 bis 30 Jahre im Ausbau vielschichtiger zu werden. Neben dem schon an sich sagenhaften, regulären Brunello di Montalcino produziert Conti Costanti in den großen Ausnahmejahren auch einen Riserva. Der sogenannte Einsteigerwein wenn es um die Brunelli geht, ist der Zweitwein Conti Costanti Rosso di Montalcino DOC, der eine leichtere, eingängigere Variante des großen Brunello-Bruders ist. Der Dritte im Bunde ist der Conti Costanti Vermiglio DOC, auch er ein 100 % Sangiovese Wein, der insgesamt zwei Jahre ausgebaut wird, bevor er den Weinkeller verlässt. 

Die Weine der Conti Costanti zeichnen sich aus durch besondere Eleganz, Trinkbarkeit – auch wenn man sich definitiv damit Zeit lassen sollte – und einen sehr langen Atem. Ihr enormes Alterungspotential verdanken die Weine ihrer bestens eingebunden, hellen Säure, die die Weine lange lebendig und energetisch hält. Zusammen mit den nicht (mehr) allzu mächtigen Tanninen ergibt sich ein enorm vielschichtiger Körper mit schönen Noten in der Nase. 

Conti Costanti Etiketten stehen nur in Konkurrenz mit dem exquisiten Label der Winzerlegende Biondi Santi. Und manche Kenner behaupten zurecht, dass Costanti diesbezüglich ein kleiner 'Geheimtipp' ist. Das allemal, wenn es um das Preis-Leistungs-Verhältnis geht. Viel mehr "Leistung" geht beinahe nicht mehr. 

 

Conti Costanti / Colle al Matrichese

Gründungsjahr: ca. 1555 oder um 1600
Eigentümer: Amdrea Costanti
Önologe: Vittorio Fiore
Jahresproduktion: ca. 60.000 Flaschen
Rebfläche: ca. 14 ha in konventionellem Anbau

Notabene: Das Weingut Conti Costanti produziert außerdem zwei sehr schöne Grappe. Das Gut ist bestens auf Besucher eingestellt. Angeboten werden unterschiedliche Degustationen und Führungen (s. Homepage) aber auch exklusive Übernachtungen in einer ruralen, top-modernisierten Villa auf dem Gutsgelände Colle al Matrichese, das sich sehr understatement Agriturismo nennt.