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San Felice

San Felice – Berühmter Vorreiter im Chianti Classico

Agricola San Felice – das ist Chianti Classico pur. Das Weingut ist ein Teil des winzigen mittelalterlichen Borgo San Felice in Pincis in der Gemeinde Castelnuovo Berardenga, nördlich von Siena. Mit über 180 Hektar an spezialisierten Weinbergen und Forschungsweinfeldern, die sich der Erforschung von Sangiovese-Klonen sowie raren autochthonen Reben widmen, sowie dem historischen Gebäudekomplexen mit ihrer frühmittelalterlichen Kirche ist San Felice eine äußerst ungewöhnliche Anlage. Die italienische Fachzeitschrift Gambero Rosso bezeichnet die Agricola San Felice als eine „Größe des Chianti Classico“, dabei bezieht sie sich nicht nur auf die ausgedehnten Ländereien, die das Gut zu dem flächenmäßig größten der Region machen, sondern auch auf die besondere Vorreiterrolle, die San Felice seit den späten 1960ern innehat. Hier wurde der „neue“ Chianti-Wein erfunden, eigentlich müsste man sagen „wieder aufgewertet“. Denn der damalige Winzer brach mit den Vorschriften, die den Chianti zu einem verwässerten süffigen Cuvée aus vier Rebsorten, unter anderem auch weißen Weintrauben, machten. San Felice brachten „seinen Chianti“ als einen reinsortigen Sangiovese heraus und holten ihn damit aus dem schlechten Ruf eines „Weidekorb-Chianti“ heraus. Damit nicht genug, 1968 setzte der Winzer mit einem weiteren revolutionären Schritt nach und stellte den legendär gewordenen „Vigorello“ aus 50 % Cabernet Sauvignon vor, der prompt der erste „Super Tuscan“ wurde. Heutzutage ist die Agricola San Felice vor allem für ihre „Il Grigio“, einen Chianti Classico in der Premiumklasse, und den höchstprämierten „Poggio Rosso“ bekannt.

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Historisches Vorreiter-Weingut im Chianti Classico 

San Felice ist sowohl ein Weingut als auch ein „Borgo“, ein winziger Weiler. Mitten in der historischen Chianti Classico Region erstreckt sich San Felice mit seinen 650 Hektar Land, davon gut 140 Hektar Weinberge mit mehr als 17.000 Rebstöcken sowie 17.000 Olivenbäumen auf circa 400 m. ü. M. Nimmt man noch die anderen zum Weinunternehmen San Felice hinzugekommenen Weingüter – Campogiovanni in Montalcino, Bell’Aja in Bolgheri, Perolla in Massa Marittima – und die 44 Hektar großen Experimentalfelder hinzu, dann belaufen sich die Weinberge der San Felice auf knappe 500 Hektar. In den Anbaugebieten wachsen zu 80 % Sangiovese-Varietäten, gefolgt von vielen verschiedenen autochthonen Rebsorten wie Colorino, Pugnitello, Abrusco, Malvasia Nera, Ciliegiolo, Mazzese und einigen internationalen Varietäten wie Merlot, Cabernet Sauvignon und Chardonnay, die entsprechend einer vorherigen wissenschaftlichen Bodenuntersuchung dem jeweiligen Terroir zugeordnet wurden. Das Terroir ist hier außerordentlich vielfältig, tendenziell felsig mit unterschiedlichen Bodenschichten. Typisch sind die Galestro-Böden, ein Kalkstein-Schieferbodengemisch, doch ihre Zusammensetzungen fallen mitunter sehr verschiedenartig aus, von lehmlastigen Adern durchzogener Kalk-Mergel bis zu Schwemmland aus Sand und Schlick, was sich unmittelbar auf die Aromen und Geschmacksnuancen der Trauben ein und derselben Traubensorte auswirkt. 

Man bestimmte fünf makroklimatische Subgebiete und bearbeitet sie entsprechend den wissenschaftlichen Ergebnissen. Die recht hohen Lagen um 400 m. ü. M. garantieren nicht nur eine gute Sonneneinstrahlung, sondern auch sehr gute Tag- und Nachttemperaturunterschiede. Auch die vorherrschenden, sich abwechselnden Winde – kühl von den Bergen und mild vom Meer her – tragen dazu bei, dass die Trauben langsam aber stetig reifen und ihre Fruchtigkeit mit einem guten Säuregehalt beibehalten. 

Die Tenuta San Felice betreibt seit den 1980er Jahren zusammen mit den Universitäten in Florenz und Pisa eine Wein- bzw. Rebenforschung auf speziellen Versuchsfeldern (ca. 44 Hektar) sowie das sogenannte „Vitiarium“, wo das genetische Erbe der toskanischen Rebsorten erforscht, erhalten und häufig genug erst wiederentdeckt wird. San Felice hat auf diese Weise über 270 Rebsorten klassifiziert. Die Forschung widmet sich vor allem den Sangiovese-Varietäten und einigen vom Aussterben bedrohten Rebsorten. Doch der Tenuta geht es nicht nur um bloße wissenschaftliche Erhaltung der Varietäten, sondern auch um ihre praktische Anwendung. So werden einige der Raritäten immer wieder in die Cuvées eingebracht – mit erstaunlich guten und überraschenden Ergebnissen. Der „Pugnitello“ aus der raren gleichnamigen Traube ist ein solcher Wein, der einen gewissen Kultcharakter erreicht hat. Die Aufsicht über diese Arbeit obliegt dem Chefönologen des Hauses, Leonardo Bellaccini, einem, wie es heißt, „großen Sangiovesisten“. 

Der Weinkeller des Weinguts, ursprünglich im 19. Jahrhundert erbaut, ist schon früh – und dann immer wieder – auf den neusten Stand der Vinifizierungstechnik gebracht worden. Doch man will dabei nicht die Tradition außer Acht lassen und ist immer darum bemüht, einen verbindenden Spagat zwischen den althergebrachten Erkenntnissen der regionalen Vinifizierung und den modernen Technologien zu erreichen. Die erste Gärung erfolgt in Edelstahlwannen und dauert bei den Rotweinen zwischen 10 und 25 Tagen (ca. 24 Stunden bei Weißen) in temperaturkontrollierten Edelstahlwannen. Die Vinifizierung erfolgt streng nach Rebsorte und Standort. Sowohl die Malolaktische Gärung, die vollständig vollzogen wird, als auch der Ausbau geschehen in unterschiedlichen Holzfässern. Die Dauer der Reifung beläuft sich auf 6 bis 24 Monate und wird fortgesetzt mit der Flaschenreifung zwischen 2 und 15 Monaten (bei „Poggio Rosso“). 

Eine Führung durch den Keller gibt interessante Einblicke darüber, wie Edelstahlwannen, Tanneaux-Fässer, 60- bis 100-Hektorliter-Eichenfässer aus slawonischen Hölzern und französische Barriques von 225- und 500-Liter-Fassvermögen Verwendung finden. 

San Felice ist zwar kein zertifiziertes ökologisches Weingut, dennoch versuchen die Weinmacher so nachhaltig wie möglich zu produzieren. Es geht darum, die Umweltbelastung zu minimieren und die Biodiversität zu schonen. Terrassierungen mit alten Trockenmauern werden weiter – oder wieder – genutzt, um so der Bodenerosion entgegenzuwirken. Das Weingut betreibt gleicherweise den sogenannten „Präzisionsweinbau“: Ein ständiges Monitoring der Weinberge und seiner Reben erlaubt ein schnelles und präzises Eingreifen im Falle eines Schädlingsbefalls einer einzigen Pflanze. Damit möchten die Winzer der Agricola den Einsatz von Pestiziden soweit wie möglich reduzieren, die Reben stärken und die Natur schonen. 

Zu der Idee der Nachhaltigkeit passt auch das Projekt der „Umana Mente“, das von der Allianz Group finanziert wird. Dabei sollen alte, erfahrene aber nicht mehr aktive Winzer ihr Wissen über die Reben und das Weinmachen an die Jüngeren weitergeben. 

Im Kern antike Wurzeln

Das Borgo, auf Italienisch „Dorf“ oder „Weiler“, San Felice hat etruskische Wurzeln, allerdings geht die heutige Bausubstanz ausschließlich auf das frühe und späte Mittelalter zurück. Das Weingut und die kleine Siedlung entstanden um die San Felice in Pincis Kirche herum, die auf das Jahr 714 datiert ist. Das Borgo samt dem Weingut hat eine Gesamtfläche von 1.853 Hektar und blickt im Laufe der Jahrhunderte ihres Bestehens auf viele Besitzer zurück. Erst mit der Familie Grisaldi del Taja wurde das landwirtschaftliche Anwesen zu einem Weingut. Die Del Tajas gründeten das Consorzio Chianti Classico, um die lokalen Weine in ihrer Qualität wieder aufzuwerten. Es war vor allem der spätere Gutsbesitzer Enzo Morganti, der sich um die Chianti-Weine und die Pflege der autochthonen Reben verdient gemacht hat und die Agricola San Felice zu ihrer Vorreiterposition verhalf. Enzo Morganti war bereits vor der Übernahme des San Felice im Jahr 1968 ein in den einschlägigen Kreisen bekannter Weinpionier, der auf seiner Tenuta di Lilliano Sangiovese-Varietäten untersuchte und daraus teils experimentelle Weine machte. San Felice wurde unter seiner Führung restrukturiert und einer stetigen wissenschaftlichen Forschung um die verschiedenen autochthonen Rebsorten unterworfen. Sein Augenmerkt galt, und so ist es auf der Agricola San Felice bis heute geblieben, den Sangiovese-Klonen.

Prompt produzierte das Weingut etwas ganz besonderes, einen Chianti, der sich den damals geltenden Vorschriften widersetzte und auf den notwendigen Anteil an weißen Weintrauben bei der Herstellung verzichtete. Das Ergebnis war der „Vigorello“, ein Wein, den die Weinexperten als den eigentlich ersten „Super Tuscans“ bezeichnen: ein Roter aus Chianti Classico von höchster Qualität, der aufgrund der Missachtung der Vorschriften eben nicht Chianti genannt werden durfte. Bereits 1969 legte der Winzer nach und kreierte den „Il Grigio“, einen reinsortigen Sangiovese von traumhafter Qualität. Mit diesen beiden Weinen wurde gewissermaßen das „neue Chianti“ geboren und die Agricola San Felice zum Vorkämpfer für ein Umdenken in den verkrusteten, zudem auf Masse setzenden Weinherstellungsmethoden in der Region.

Seit den 1970er Jahren gehört das gesamte Borgo samt Weingut der Allianz Group – dem deutschen weltweit größten börsennotierten Versicherungskonzern und Globalplayer, der schon häufig mit Negativpresse belegt wurde (bspw. Spekulationen mit Nahrungsmitteln). In den 1980er Jahren wurden die Besitztümer durch die Weingüter Campogiovanni in Montalcino, Bell’Aja in Bolgheri und Perolla in Massa Marittima erweitert. Die Allianz-Gruppe unterwarf das Borgo einer intensiven Renovierung und Umgestaltung und präsentierte es 1991 im neuen Hochglanz als Teil der exklusiven Hotelkette Relais & Châteaux, einem Wellness-Zentrum mit allem nur erdenklichen Komfort. 

Großes Portfolio an Qualitätsweinen 

Bei einer Jahresproduktion von über einer Million Weinflaschen ist das Portfolio erwartungsgemäß groß aber eben doch nicht riesig. Da meint man vielleicht dementsprechend „Massenweine“ zu finden. Ganz gefehlt! San Felice gehört trotz seiner Größe zu den Vorzeigeweinproduzenten des Chianti Classico. Zu den Flaggschiffen des San Felice zählen der „Il Grigio“ und "Poggio Rosso". Zwei unterschiedliche Typen, die das Spektrum der San Felice markieren. „Il Grigio“ wird in zweifacher Ausführung als „Il Grigio“ Chianti Classico Gran Selezione DOCG und als Riserva aus 80 % Sangiovese und 20 %  autochthone Rebsorten wie da wären Abrusco, Pugnitello, Malvasia Nera, Ciliegiolo und Mazzese hergestellt. Ihm folgen die Vorzeigeweine „Poggio Rosso“ Chianti Classico Gran Selezione DOCG, ein reinsortiger Sangiovese, und „Vigorello” Toscana IGT, der erstmals 1968 für Furore sorgte (heute bestehend aus 35 % Pugnitello, 30 % Cabernet Sauvignon, 30 % Merlot, 5 % Petit Verdot). Der reinsortige „Pugnitello“ Toscana IGT und der „San Felice“, bestehend aus 80 % Sangiovese und aus je 10 % Colorino und Pugnitello, sowie der Einsteigerwein Chianti Classico DOCG schließen die Reihe der Rotweine ab.

Zwei Weißweine vinifiziert die Agricola San Felice und ist stolz darauf, mit ihnen unter Beweis zu stellen, wie gut im Chianti Classico die internationale Chardonnay-Traube gedeiht: „Ancherona“ Chardonnay Toscana IGT ist ein Cuvée aus 80 % Chardonnay und 20 % Sauvignon Blanc, wohingegen die „Contrada Blanco“ aus dem gleichen Verhältnis von Chardonnay und Trebbiano besteht. 

Was wäre die Toskana ohne ihre Vinsanti! Natürlich führt auch San Felice in seinem Portfolio diesen Traditionsdessertwein aus angetrockneten Trauben und das sogar auch in der Riserva-Ausführung. Zum Einsatz kommen 75% Trebbiano und 25 % Malvasia del Chianti.

Das Weingut Perolla in der Maremma produziert den von Kritikern immer gut bewerteten Sangiovese-Wein „Poggibano“ aber auch andere Rotweine und Rosatos aus Cabernet, Merlot oder Ciliegiolo und Vermentino. Aus den experimentellen Feldern kommt der interessante „Matervitis“ aus den raren autochthonen Traubensorten Pugnitello und Ciliegiolo. Das gleichfalls zu San Felice gehörende Weingut Campogiovanni in Montalcino produziert vielgelobte Brunello-Weine, den „Rosso di Montalcino“ DOC und den „Il Quercione“ Brunello di Montalcino Riserva DOCG. Schließlich ist da noch das Weingut Bell’Aja, das zurzeit nur einen Wein, den „Bell’Aja“ bestehend aus 60 % Merlot und 40 % Cabernet Sauvignon produziert. 

 

San Felice

Gründungsjahr: Mittelalterliche Gründung; Neugründung 1950er
Eigentümer: Allianz Group
Önologe: Leonardo Bellaccini
Jahresproduktion: über 1.200.000 Flaschen
Rebfläche: 140 Hektar in konventionellem Anbau (Chianti Classico)

Notabene: Das Borgo San Felice beherbergt nicht nur das gleichnamige Weingut und das exklusive Relais & Châteaux, sondern auch zwei beachtenswerte Gastronomien: die Osteria „Del Grigio“ und das Restaurante „Il Poggio Rosso“, das einen Michelin-Stern ergattern konnte und wo der noch junge Küchenchef Juan Camilo Quintero das Sagen hat. Das Menükonzept kreierte der Spitzenkoch Enrico Bartolini. Geboten wird hier „passend zum Hausweinen“ eine feine toskanische Küche, diese dann neu interpretiert. Eine Vinothek als Weinbar macht es möglich, alle Weine des Weinguts mit kleinen Häppchen und dem hauseigenen frischen Olivenöl ungezwungen(er) zu genießen. Das Weingut kann nach Voranmeldung mit einer Führung besichtigt werden. Sicherlich ein großes Kino in dem mittelalterlich-luxuriösen Ambiente.